Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum vierten Advent

HERBERGSUCHE

Josef und Maria sind unterwegs auf Herbergsuche, ein Kind wird erwartet, aber nirgends sind sie willkommen.

Diese Szene wird in vielen Liedern unserer Heimat besungen, wenn es heißt: „Wer klopfet an? Oh zwei gar arme Leut. Was wollt ihr denn? Oh gebt uns Herberg heut. Nein, oh nein…“

Alle, bei denen die beiden anklopfen, finden irgendwie eine Ausrede warum sie keinen Platz für sie haben. Menschen auf Herbergsuche, damals wie heute. Was suchen sie für ihr Leben? Was suchen sie heute und hier? Erfüllt sich gerade heute die Sehnsucht, die Tagaus Tagein in unseren Herzen ruht? Menschen suchen nach Unterkunft, nach Geborgenheit, nach Asyl, sie wollen aufgenommen und angenommen werden. Sie suchen nicht nur die eigenen vier Wände, sie suchen Raum zum Leben, nach Lebensorten wo sie geschützt sind, wo sie frei sein können und Zukunft möglich ist.

Gott kommt zur Welt als Kind in Ohnmacht und teilt somit unsere menschlichen Ohnmachten. Er stellt sich an unsere Seite. Mitten hinein in diese Welt, in der gekämpft und gestritten wird, wo viel Ungerechtigkeit, Angst und Hoffnungslosigkeit herrscht, da setzt das göttliche Kind von Bethlehem ein Zeichen: In aller Verlorenheit ein Stück Nähe, in aller Angst und Not ein wenig Geborgenheit, in aller Traurigkeit flammt Liebe auf. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Gott gerade bei denen auf die Welt kommt, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Es kommt nicht von ungefähr, dass Gott gerade bei denen Herberge findet, die auf der Suche sind. Darum sind auch wir gefordert bei denen zu sein, die Herberge suchen und Hilfe brauchen. So werden wir Licht für diese Menschen sein. Im Stall vor den Toren der Stadt bei den Hirten finden wir keine Idylle. Stroh ist die harte Realität!

Eine ganz neue Art von Herrschaft wird dort geboren, dort wo die Liebe regiert, ganz an unserer Seite. Gottes Maßstab ist die Liebe. Gott hat jeden Menschen in sein Herz geschlossen. Er gibt nicht auf an das Gute im Menschen zu glauben. Deshalb dürfen wir Christinnen und Christen nie aufgeben an das Gute im Menschen zu glauben, auch wenn wir so manche Enttäuschung erleben.

Das Evangelium des 4. Adventsonntag berichtet von der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria. Mit ihrem „Ja“ gewährt sie dem göttlichen Kind Herberge, damit verändert sich ihre und auch unsere Welt grundlegend.

Schenken auch wir dem göttlichen Kind im Stall Herberge in unseren Herzen!

So wünsche ich Euch, Euren Familien, allen Kranken und denen die sie pflegen und begleiten, allen die um einen geliebten Menschen weinen, allen die unter einer Einschränkung leiden, den Kindern und Jugendlichen, allen Einsamen und Verzweifelten sowie den Schwestern und Brüdern von der Straße einen besinnlichen 4. Adventsonntag.

Präses Diakon Dieter Wirth