Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum Fest der Heiligen Familie

Wir feiern das Fest der Heiligen Familie.

Was ist das, eine heilige Familie? Oder wann ist eine Familie heilig?

Wenn sie eine „Vorzeige-Familie ist? Wenn die Kinder aufs Wort hören? Wenn die Eltern sich gut vertragen und alles friedlich ist?

Was wir von Maria, Josef und Jesus, also von der Heiligen Familie wissen, das reicht um zu sagen: Eine Heilige Familie, so wie wir uns das wünschen, gibt es nicht und hat es auch nie gegeben.

Schauen wir einmal näher hin.

Maria und Josef waren ja kein Ehepaar wie wir uns das vorstellen. Das Evangelium erzählt uns, dass sie in ein fremdes Land fliehen mussten und wenn wir heute Bilder sehen, die uns vor Augen führen was Flucht bedeutet, dann können wir das Leid und die Entbehrungen ermessen.

Lesen wir in der Heiligen Schrift weiter, dann entdecken wir den zwölfjährigen Jesus, der nach einer Wallfahrt nach Jerusalem im Tempel zurückbleibt und seine Eltern in Angst und Schrecken versetzt. „Kind, wie konntest du uns sowas antun?“ Ja, Jesus konnte seine Familie schon strapazieren. Seine Eltern geraten außer sich wegen seines Verhaltens.

Wie viele Eltern unserer Tage stellen dieselbe Frage, wenn ihre Kinder auf schwierige Wege geraten sind?

Bei der Hochzeit von Kana bittet Maria ihren Sohn, doch das zu tun, was sie ihm vorschlägt und muss sich dann sagen lassen: „Frau, was habe ich mit dir zu tun?“ Also, lass mich in Ruhe, meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Ob es Eltern erfreut, wenn man dem Sohn nachsagt, er gehe mit Sündern und Dirnen um, er sei ein Fresser und Säufer? Heute würde man sagen, der Umgang ist für den Jugendlichen nicht gut.

Heilige Familie müsste doch anders funktionieren als es da in der Heiligen Schrift beschrieben wird. Aber ich muss gestehen, dass ich dieses familiäre Chaos sympathisch finde, denn es zeigt, dass Gott offensichtlich ein Herz für so ein Durcheinander hat und für all das, was wir an Durcheinander anrichten. Sonst wäre er sicher woanders zur Welt gekommen, irgendwo, wo es schicker und geordneter zugegangen wäre. Nein, ist er aber nicht!

Das zeigt uns, dass wir als Christinnen und Christen, wir als Kirche, mehr Herz für solche durcheinander geratenen und gescheiterten Lebensgeschichten haben müssen. Daher ist eine Familie dann eine heilige Familie, wenn in ihr nicht nur die Erfolge zählen, sondern auch das Scheitern gemeinsam getragen und durchstanden wird. Adolf Kolping sagt über die Familie:

„Familienleben und sein Wohlstand ist wichtiger als alle Wissenschaft, als alle Macht der Mächtigen und vermögen sie tausende aus dem Boden zu stampfen.“

So grüße ich alle Familien, vor allem diejenigen, die es momentan schwer haben und wünsche uns allen die Liebe vom Kind im Stall von Bethlehem.

Präses Diakon Dieter Wirth