Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum Fest der Heiligen Drei Könige

In einem alpenländischen Volkslied wird das Fest „Erscheinung des Herrn“ angesprochen, uns ist es als “Heilig drei König” bekannt. Der Text stammt aus Oberammergau, dort heißt es:

„Die Heiligen drei König mit ihrigen Stern, die kommen gegangen ihr Frauen und Herrn. Der Stern gab ihnen den Schein, ein neues Jahr tritt uns herein.“

Es wird gern von den Sternsingern gesungen und  endet mit dem Segen: „Christus Mansionem Benedikat.“ (Christus segne dieses Haus). Die Hl. Schrift spricht von drei Weisen, von Sterndeutern. Es begegnen uns drei Phantasten. Sie beschäftigen sich mit Sternen und ihrer Bedeutung für die Menschheit. Sie verfolgen eine Spur für die ein halbwegs realistischer Mensch weder Zeit noch Geld investieren würde. Sie nehmen sogar die Strapazen einer langen Reise auf sich. Auf ihrem Weg begegnen sie einem Politiker, der vor allem daran interessiert ist, seine Macht zu erhalten. Schließlich landen sie in einem Stall bei einem Neugeborenen und dessen Eltern. Jetzt sind sie sich gewiss, das Gesuchte gefunden zu haben.

Die „Drei Könige“ kommen kulturell  aus verschiedenen Weltgegenden. In der heutigen Zeit, im Zeitalter der Globalisierung, gehen Menschen sehr unterschiedliche Lebenswege und doch gibt es das gemeinsame Ziel nach einem sinnerfüllten Leben über den Tod hinaus.

Auch in den „Drei Königen“ steckt die Sehnsucht, Gott zu schauen, Jesus zu sehen. Dabei spielen Alter, Sprache, Herkunft, Unterschiedlichkeiten in der Kultur, in Beruf und Ausbildung keine Rolle. Die Magier lernten Jesus nicht bei den Mächtigen kennen, sondern bei den Ohnmächtigen. Die Sterndeuter hatten einen Traum. „Ich hatte einen Traum,“ dieses berühmt gewordene Wort von Martin Luther King in einer Zeit scheinbarer Aussichtslosigkeit zeigt, dass Träume sogar im politischen Bereich Wirklichkeit werden können.

Alle die sich an der Krippe eingefunden haben um das Kind zu sehen und anzubeten kehren wieder in ihren Alltag zurück.  Von den Sterndeutern heißt es “auf einem anderen Weg“. Sie sind aber nicht mehr die Gleichen wie zuvor, sie sind Gewandelte, Beschenkte, Staunende, Erlöste. Die kirchliche Tradition sieht in den Sterndeutern die Gottsucher, die es in allen Völkern und Religionen der Erde gibt. Menschen die nicht müde werden, das Geheimnis des Göttlichen tiefer zu erfassen. Die Kirche zeigt in diesem Fest der Erscheinung des Herrn oder der Hl. Drei Könige, wie es im Volksmund heißt, ihre Hochachtung vor allen Menschen, die aufrichtig Gott suchen und damit auch ihre Wertschätzung anderer Religionen, mit denen sie sich im Suchen mit Gott verbunden wissen.

So wünsche ich Euch allen einen gesegneten „Drei Kinitag“ und uns allen den Mut und die Freude gemeinsam, wie die Sterndeuter, dem Stern der Erlösung zu folgen.

Präses Dieter Wirth