Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt

Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten vieles verändert hat, so spielen doch Sitten und Bräuche im Kirchenjahr und im Alltag eine große Rolle. Vieles hat sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelt und sich bis zum heutigen Tag erhalten. Sitten und Bräuche geben uns gerade in diesen Zeiten einen festen Rahmen für Rituale und Handlungen.
Am 13. Mai feiern wir Christen das Fest Christi Himmelfahrt. Andere freuen sich einfach nur auf ein verlängertes Wochenende. Letzten Sonntag feierten die Mütter ihren Ehrentag, am Donnerstag ist Vatertag, an dem viele Männer aufbrechen und ihren Tag genießen.
Allen Müttern und Vätern weiterhin Gottes Kraft und Segen.
 
Was bedeutet Christi Himmelfahrt?
Es ist der Tag an dem Jesus als Sohn Gottes zu seinem Vater zurückkehrte. Im Neuen Testament steht, dass Jesus nach seiner Auferstehung an Ostern noch mehrfach seinen Jüngern erschienen ist, bevor er in den Himmel auffuhr. Die Himmelfahrt wird in den Evangelien bei Markus und Lukas erwähnt, in der Apostelgeschichte steht, dass Jesus noch 40 Tage bei seinen Jüngern war und dann heißt es: “Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.” Die Himmelfahrt ist der endgültige Eintritt der menschlichen Natur Jesu in die göttliche Herrlichkeit. Dies wird im biblischen Sprachgebrauch durch die Rede von der Wolke und vom Himmel ausgedrückt.
Was hat Christi Himmelfahrt mit dem Vatertag zu tun?
Es gibt Hinweise darauf, dass das Feiern des Vatertages aus dem Himmelfahrtsbrauchtum entstanden sein könnte. So verraten kirchliche Chroniken aus dem 17. Jahrhundert, dass so manche Himmelfahrtsprozession in Trinkgelagen geendet haben. Daraus entwickelten sich im 19. Jahrhundert in manchen Großstädten sogenannte “Schinkentouren” Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. In den 1930er Jahren propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger dann den Vatertag als Gegenstück zum etablierten Muttertag. Der älteste Brauch ist bereits im Jahr 1433 in Bayern belegt. Bei diesem sogenannten “Auffahrrytus” wurde am Ende des Gottesdienstes eine Christusfigur bis zur Decke des Gotteshauses hinaufgezogen. Wenn der Auferstandene aufgestiegen war wurde eine Figur des Teufels hinabgeworfen. Dies sollte verdeutlichen, dass Christus die Weltherrschaft an sich genommen hat.
Die drei Tage vor dem Fest sind die Bitttage, an denen mit Prozessionen und Gebeten um gutes, gedeihliches Wetter und um eine gute Ernte angehalten wurde. Auch für uns eine gute Gelegenheit, unsere Anliegen im Gebet vor Gott zu bringen.
Diakon Dieter Wirth – Präses der Kolpingsfamilie Oberschleißheim