Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum Hochfest der Gottesmutter Maria

Wir feiern Neujahr und am Tag darauf das Hochfest der Gottesmutter Maria.

Was für ein Jahr liegt hinter uns!

Sicher erinnern wir uns noch an den letzten Jahreswechsel. Was immer wir an Vorstellungen für das Jahr 2021 hatten, das hatten wir so nicht erwartet. Ein weiteres Jahr mit Corona, mit Auflagen und Beschränkungen, mit Sorgen und Ängsten. Einmal mehr machen wir die Erfahrung, wie wenig wir einschätzen und absehen können, was die Zukunft bringt, wenn wir bloß auf die nächsten Monate schauen. Einmal mehr machen wir die Erfahrung, wie wenig wir trotz all unseres Wissens und Könnens, trotz aller Technologie und Forschung tatsächlich in der Hand haben.

Das Jahr 2021 liegt hinter uns, das neue Jahr 2022 vor uns und mit ihm all das, was es für uns bereit hält.

Wie jedes Jahr begleitet uns das Hochfest der Gottesmutter Maria in das neue Jahr hinein. Dass Maria die beste Patronin zum Jahreswechsel ist, macht uns allein schon das Evangelium deutlich. Es führt uns zurück zur Krippe, zurück in das Geschehen der Heiligen Nacht. Die von den Engeln aufgescheuchten Hirten kommen eilig zum Stall in Bethlehem, um den neugeborenen König zu bestaunen. Aufgeregt sind sie und begeistert und sie erzählen was sie erlebt hatten. Maria derweil tritt mitten in dem Aufruhr ganz still in Erscheinung.

„Sie aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen,“ so heißt es schlicht im Evangelium.

Man sollte sich einen Augenblick in ihre Lage versetzen. Was für eine Zeit hat sie und ihr Bräutigam hinter sich! Die Vision des Engels! Der Verdacht des Ehebruchs! Die beschwerliche Reise trotz Schwangerschaft! Die fehlende Herberge! Die Geburt des Kindes in einem Stall! Welche Sorgen und Strapazen. Und jetzt der ganze Tumult. Das würde jeden Menschen wohl überfordern.

Auch Maria wird das nicht von Grund auf verstehen. Auch sie braucht Abstand, um vielleicht mehr zu verstehen. Sie bewahrt und erwägt alles in ihrem Herzen. „ Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du es gesagt hast.! (Lk.1,38) spricht sie zu dem Engel. Sie vertraut sich Gott an. Er vermag, was wir Menschen nicht vermögen. Alles, die Strapazen und Unsicherheiten der Zukunft, nimmt sie aus diesem tiefen Gottvertrauen an.

Vielleicht aber machen auch wir die Erfahrung Mariens, dass ganz besonders in diesen Zeiten trägt, was wir Gottvertrauen nennen. Dass wir ähnlich wie Maria Abstand brauchen und in unserem Herzen erwägen was uns widerfährt. Vielleicht kommen wir auch zu der Einsicht, dass Gott mit uns auch in dieses neue Jahr geht, was immer es auch mit sich bringen wird.

So wünsche ich Euch allen ein gesegnetes und gottgeführtes Jahr 2022!

Präses Dieter Wirth