Worte zu den kirchlichen Anlässen

Gedanken zum ersten Advent

„Wir leben vorwärts, wir verstehen rückwärts…“

Mit diesen Worten beschreibt die Philosophie, was wir im Blick auf unsere Lebenserfahrung bestätigen können. Erst im Nachhinein werden oft wichtige Momente, prägende Entwicklungen und wegweisende Weichenstellungen in ihrer Bedeutung erkennbar. Umso wichtiger ist es, für die jeweilige Gegenwart des Lebens aufmerksam zu sein. Die Adventszeit ist eine Einladung und Aufforderung, sich neu zu schulen in solcher Aufmerksamkeit. Denn Advent bedeutet, Ankunft Gottes in dieser Zeit.

In einer Grundhaltung gespannter Erwartung leben heißt, vom Leben, von Gott das Entscheidende zu erwarten. Gegen manche Müdigkeit unseres Lebens sollten wir uns immer wieder daran erinnern, das Gespür für das hier und jetzt wach zu halten, für den unersetzbaren Augenblick des Lebens. Das kann Türen öffnen für die ausstehende Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Trotz aller Ermüdungserscheinungen sind wir eingeladen, dieser Hoffnung in unserem Alltag mehr Raum zu geben, zumal in diesem nun beginnenden Advent.

Ein kurzes Gedicht von Hilde Domin kann uns ermutigen, auf seine Weise zu so einer erwartungsvollen Grundhaltung dem Leben gegenüber vielleicht ein guter Begleiter durch den Advent sein. Es lautet:

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie ein Vogel, die Hand hinhalten.“

So wünsche ich Euch, Euren Familien, allen Kranken und denen die sie pflegen und begleiten, den Kindern und Jugendlichen und allen, die um einen lieben Menschen trauern, einen besinnlichen und gesegneten Advent.

Diakon Dieter Wirth, Präses