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Interreligöse Führung

veröffentlicht am

Interreligiöse Führung am 18. März 2017

Eine kleine Gruppe interessierter Erwachsener aus Hunteburg nahm am Sonnabend, dem 18. März an einer christlich/islamischen Führung im Hohen Dom zu Osnabrück sowie der Ibrahim Al-Khalil Moschee am Goethering teil. Die Führung wurde von dem Duo Ursula Maedler und Dua Zeitun geleitet. Dua Zeitun ist die Tochter des Imam der Ibrahim Al-Khalil Moschee. Die Veranstaltung wurde von der Kolpingfamilie Hunteburg organisiert.

Die Führung startete vor dem Domportal. Christen werden in aller Regel durch das Glockengeläut von den Kirchtürmen zum Gottesdienst gerufen. Muslime werden durch den Ruf des Muezzin vom Minaret herunter mehrmals täglich zum Gebet gerufen. Der Sonntag ist für alle Christen ein Feiertag, an diesem Tage wird insbesondere an die Auferstehung Jesu erinnert. In allen christlichen Gemeinden wird zu festen Zeiten, auf die oft sogar Straßenschilder hinweisen, ein Gottesdienst gefeiert. Der wöchentliche Feiertag der Muslime ist der Freitag – an diesem Tag findet das Freitagsgebet statt, die Zeit richtet sich nach dem Sonnenstand und variiert über das Jahr.

Der Islam gehört ebenso wie Judentum und Christentum zu den abrahamitischen Religionen, weil sie sich alle auf den Stammvater Abraham (arabisch: Ibrahim) berufen. Diese Religionen sind monotheistisch, d. h. es gibt nur eine Gottheit, die verehrt wird. Die Dreifaltigkeit (Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist) ist eine Besonderheit des Christentums. Theologisch handelt es sich um einen Gott in drei Erscheinungsformen. Muslime lehnen die Dreifaltigkeitslehre ab, da sie Jesus zwar als wichtigen Propheten, nicht aber als Sohn Gottes anerkennen.

Die Sakramente sind rituelle religiöse Handlungen und Christen glauben, dass bei der Ausübung Jesus gegenwärtig ist. Im Christentum begründet die Taufe als Initiationssakrament die vollwertige Anerkennung zum christlichen Glauben. Im Islam gibt es keine Sakramente, die Beschneidung ist zwar eine traditionelle Handlung, aber steht nicht im Rang eines Sakramentes oder eines Rituals. Die Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft erfolgt durch die Geburt und leitet sich vom Vater des Kindes ab, im Judentum von der Mutter. Eine interessante Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: welcher Religion gehört ein Kind an, dessen Vater Muslim und dessen Mutter Jüdin ist? Oder umgekehrt?

Christen und Muslime glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. Den Zugang zum Paradies müssen sich Muslime im irdischen Leben erarbeiten. Die Rechtfertigung der Christen unterliegt der Gnade Gottes. Seit 1999 gilt eine gemeinsame Rechtfertigungslehre der evangelischen und der katholischen Kirche. Unterschiedliche Auffassungen waren vor 500 Jahren ursächlich für die Reformation.

Die Bibel der Christen ist eine chronologische Sammlung von verdichteten Glaubenserfahrungen, aufgeteilt in altes und neues Testament, sowie innerhalb der Testamente in einzelne Bücher. Das Pandon zur Bibel ist der Koran. Während die Bibel seit dem 2. Vatikanischen Konzil auch in der katholischen Kirche in den Landessprachen Gültigkeit hat, ist der Koran nur in arabischer Sprache anerkannt. Die übliche Weitergabe erfolgt durch Auswendiglernen der einzelnen Suren. Der Koran besteht aus 114 Suren, die nach ihrer Länge einsortiert sind.

Die Feier des Glaubens geschieht bei den Christen vornehmlich in den Kirchen (Kathedralen, Basiliken usw.). In den katholischen Kirchen war das ?normale Volk? bis zum 2. Vatikanum durch den Lettner oder durch Altarschranken vom Klerus getrennt. Der Lettner ist ein Gitterzaun, der den Chorraum abtrennte und der nur an hohen Festtagen geöffnet wurde. Sitzbänke gibt es erst seit der Neuzeit, zuvor musste das Volk in der Kirche stehen. Der Gottesdienst wurde in lateinischer Sprache abgehalten. Das ?normale Volk? konnte dem Verlauf nicht folgen und orientierte sich daher an der reichhaltigen Ausschmückung der Kirchen durch bunte Fenster, Bilder, Statuen und Ausmalungen jeglicher Art. Christliche Kirchen sind mit dem Chorraum nach Osten ausgerichtet, angelehnt an die Auferstehung Jesu in Jerusalem.

In der Moschee, dem islamischen Gotteshaus, wird während der Gebetszeit gestanden oder gekniet, die Ausrichtung ist gen Mekka. Eine bildliche Darstellung Allahs ist nicht erlaubt und daher gibt es in den Moscheen keine Bilder, lediglich Plakate oder Bilder mit Zitaten aus dem Koran. Der Imam predigt freitags zu den Aussagen des Koran, die übrigen Gebetszeiten finden ohne Predigt statt.

Die verpflichtenden 5 Säulen des Islam zum Eintritt in das Paradies sind:

  1. Das Bekenntnis (Schahada) ?La ilaha illa Allah wa Muhammad rasul Allah” (= Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet!)

  2. Das Gebet (Salad) 5 x täglich

    1. Fajr ? bestehend aus 2 Einheiten

    2. Zuhr ? 4 Einheiten

    3. Asr ? 4 Einheiten

    4. Maghrib ? 3 Einheiten

    5. Isha ? 4 Einheiten

Vor dem Gebet sind rituelle Waschungen erforderlich.

  1. Fasten (Saum) im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
    Der Zeitpunkt verschiebt sich ständig, weil der islamische Kalender 11 Tage kürzer ist.
    Schwangere, Kranke, schwer arbeitende Menschen und kleine Kinder sind ausgenommen.

  2. Die soziale Pfichtabgabe (Zakat = 2,5 % des ruhenden Kapitalvermögens)

  3. Pilgerreise nach Mekka (Hadsch)

Alle genannten Aufgaben gibt es adäquat auch im Christentum (das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die vorösterliche Fastenzeit, Spenden (Adveniat, Misereor, Brot für die Welt) und Pilgern (z. B. Santiago de Compostella), sie sind jedoch nicht verpflichtend. Zusätzlich gibt es im Christentum noch weitere Säulen, z. B. die Sakramente.

Die Teilnehmer der interreligiösen Führung konnten erleben, dass in der Ibrahim Al-Khalil Moschee ein reges Gemeindeleben stattfindet – während im Hauptraum gebetet wird, werden in den Nebenräumen Kinder im Glauben unterrichtet. Es herrscht eine offene Kultur des Willkommenseins und der Toleranz. Für alle Teilnehmer eine ganz neue Erfahrung: es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Bei den Teilnehmern kamen etliche Fragen auf, die Frau Zeitun zur vollsten Zufriedenheit beantwortete.