Zum Inhalt
Kolping Logo

Kolpingsfamilie

Hunteburg

Portrait Adolf Kolping
Schmuckelement Kurve oben Schmuckelement Kurve oben

Neujahrspredigt von Hans Sommer

veröffentlicht am

Predigt von Hans Sommer , Dreifaltigkeitsgemeinde Hunteburg

Di. 01.01.2013

?Am Anfang eines jeden Lebens erhält der Mensch einen Marmorblock sowie die Werkzeuge, die nötig sind, eine Skulptur aus dem Block herauszumeißeln. Wir können ihn unbehauen hinter uns herschleppen, ihn in tausend Stücke schlagen oder ein Meisterwerk daraus zu machen.?

Ein eindrucksvolles Bild für unsere Lebensaufgabe.

-Jede und jeder von uns hat die Möglichkeit, einfach in dem Tag hineinzuleben und ohne Ziele, ohne klare Vorstellungen und Entscheidungen seine Zeit zu vergeuden.

-Jede und jeder von uns kann das eigene Leben zerstören und es durch Willenlosigkeit oder Verantwortungslosigkeit in zusammenhanglose Episoden zerfallen lassen.

-Jede und jeder von uns hat aber auch die Chance zu gestalten, dem Leben ein Gesicht zu geben, es in Form zu bringen und ein einmaliges, originelles Meisterwerk daraus zu bilden.

Jetzt liegt wieder ein neues Jahr vor uns – viel Zeit , um am Marmorblock unseres Lebens weiterzuarbeiten, um unserem Leben ein klareres Profil, deutlichere Konturen zu geben, um immer mehr zu den Menschen zu werden, die wir sein können.

Haben Sie schon Ideen, was Sie in den kommenden Tagen und Monaten aus ihrem Lebensblock herausmeißeln wollen, was Sie weiterentwickeln möchten, was Sie in den Vordergrund stellen wollen, oder was in den Hintergrund treten soll?

Wenn nicht, dann biete ich Ihnen heute die Skizze an, nach der ich vorgehen möchte. Sie besteht nur aus vier Merksätzen:

Mit dem ?dankbar rückwärts? möchte ich an einer Grundhaltung arbeiten, die mir hilft, mein Leben nicht in erster Linie als eigene Leistung zu sehen, sondern als Geschenk, das ich anderen und letztlich Gott verdanke.

Dankbar möchte ich zurückschauen auf das vergangene Jahr, auf schöne Begegnungen und unbeschwerte Stunden, aber auch auf kritische Anfragen, die mich weitergebracht haben. Dankbar kann ich sein für Menschen, die Zeit für mich hatten, die mich begleitet und ermutigt, die mit mir gelacht und ernsthaft diskutiert haben.

Mit dem ?mutig vorwärts? will ich meine Einstellung vertiefen, die mir hilft, ohne Angst vor der Zukunft zu leben. Ich möchte mich wehren gegen Duckmäusertum und falsche Anpassung und den Weg gehen, den ich als richtig erkannt habe. Gegenüber Bequemlichkeit und Unbeweglichkeit will ich wachsam sein und dagegen angehen. Neue Möglichkeiten des Christseins und des Kircheseins möchte ich mit anderen zusammen überlegen und immer wieder fragen, wie denn Menschen von heute ein neues Interesse an der Sache Jesu finden könnten.

Mit dem ?gläubig aufwärts? möchte ich mein Leben noch intensiver mit dem Evangelium in Verbindung bringen, noch bewusster nach meinen Gaben und Begabungen fragen, die ich in den Dienst der Kirche stellen kann. Ich will Gottesdienst und Gebet noch stärker als Kraftquelle erfahren und mich durch sie inspirieren lassen, im Sinne Jesu zu denken, zu reden und auch zu handeln.

Mit dem ?liebevoll seitwärts? schließlich will ich mir vornehmen, mein Zusammenleben mit anderen weiterzuentwickeln; Respekt und Wertschätzung nicht zur denen entgegenzubringen, die mir sympathisch sind. Ausgehend vom Liebesgebot Jesu möchte ich meinen Blick schärfen für die oft versteckten Nöte und Bitten meiner Mitmenschen,  und motiviert durch die Frohe Botschaft will ich mich um eine ehrliche Freundlichkeit bemühen.

Zurück zum eingangs erwähnten Marmorblock des Lebens.

Mit diesem Bild gehe ich in ein neues Jahr hinein. Es spornt mich an, mein Leben zu gestalten und meine Lebenszeit nicht einfach verrinnen zu lassen. Es gibt mir den Impuls, meinem Leben ein Gesicht zu geben, es originell und fantasievoll zu formen und zu einem einmaligen unverwechselbaren Leben werden zu lassen.

Ich gehe in ein neues Jahr hinein mit der Überzeugung, dass ich an einem Meisterwerk arbeiten darf ? aber auch mit dem Wissen, dass ich wohl nur einige Konturen ein wenig hervorheben kann, und vor allem mit der Hoffnung, dass ein anderer das Werk vollenden wird. Das gibt mir für die Arbeit an meinem Marmorblock ein wenig Ruhe und Gelassenheit.

Die Skizze ?dankbar rückwärts ? mutig vorwärts ? gläubig aufwärts ? liebevoll seitwärts? wird mich begleiten und zeigen, wo ich meine Werkzeuge ansetzen kann.

Ich wünsche ihnen für das neue Jahr eine interessante und erfolgreiche ?Stein-Zeit??.
————————
Auch die Kolpingfamilie wünscht allen ein gutes, gesundes, frohes und zufriedenes neues Jahr 2013