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Hunteburg

Portrait Adolf Kolping
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Auf dem Weg nach Santiago de Compostella

veröffentlicht am

Am 24. Juni um 7:30 Uhr ist es soweit: Franz-Josef und ich, Bernard, starten den Prolog mit Rollern auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella. Die Idee war Franz-Josef gekommen als das Wetter noch eisig und wenig einladend zum Rollerfahren war. Die Fahrstrecke wurde festgelegt.
 

Von Hunteburg aus geht es über Osnabrück nach Münster und von dort aus weiter in Richtung der niederländischen Grenze über Wesel und Xanten zum Wallfahrtsort Kevelaer. In der dortigen Jugendherberge legen wir Zwischenstation ein, ehe es am nächsten Morgen bei Nieselregen über Venlo,Steyl und Roermond nach Aachen, dem 1. Etappenziel, weitergeht. Wegen des anhaltenden Regens haben wir Maastricht aus dem Streckenverlauf gestrichen. In der Aachener Jugendherberge verbringen wir die Nacht. Die Rückkehr nach Hunteburg erfolgt in einem Rutsch, wobei wir am Ende unseres Prologs insgesamt 652 km gefahren sind.

 

Was haben wir erlebt? Zunächst fahren wir auf bekannten Wegen nach Osnabrück und holen uns im Dom unseren zweiten Stempel, den ersten hat Franz-Josef im Hunteburger Pfarramt bereits am Vortag abgeholt. Kaum haben wir den Dom verlassen, sichten wir unseren ehemaligen Pastor und Präses Ulrich Beckwermert. Wir bitten Ihn, uns einen Text in unser Pilgerbuch zu schreiben. Mit den besten Wünschen für alle Bekannten in Hunteburg im Gepäck gehts weiter über die B51 nach Telgte (Stempel der Wallfahrtskirche) und von dort nach Münster zur Lambertikirche. Diese Kirche ist durch ihre am Turm befestigten Metallkörbe bekannt, in diesen Körben wurden die Leichen der Anführer der Wiedertäufer von den Soldaten des Bischofs von Münster und Osnabrück, Franz von Waldeck, zur Abschreckung aufgehängt. Die Wiedertäufer waren eine reformatorische Sekte und hatten ihre Hochburg in der Stadt Münster. Von Münster aus soll es nun in Richtung Westen an die niederländische Grenze gehen. Eher zufällig entdecken wir auf der Fahrt die mächtige Benediktinerabtei Gerleve in der Gemeinde Billerbeck. Das trifft sich gut, denn hier können wir mittagessen während draußen ein dunkles Regenschauer aufzieht. Nach dem Essen – die Sonne lacht am Himmel – fahren wir bis an den Rhein zur Stadt Wesel, es nieselt. Der Dom der Stadt Wesel ist nach Willibrord benannt, einem angelsächsischen Missionar, der das Kloster Echternach gründete. Der fünfschiffige Dom ist nur spärlich ausgeschmückt, und es ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine evangelische Kirche handelt. Nun geht es über die weithin sichtbare Rheinbrücke gen Xanten. Der Rhein ist hier, kurz bevor er Deutschland verläßt, mächtig breit. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gern die Feststellung aufheben, dass der Rhein der meistbesungenste Fluß Deuschlands ist. Das stimmt nicht, weil der Main dieses Attribut für sich beansprucht. Er taucht wesentlich häufiger auf z. B. in dem Lied “Main Vater war ein Wandersmann!” (hahaha).

 

In der Römerstadt Xanten mit dem Dom St. Viktor machen wir unseren nächsten Halt. Hier gibt es einen Stempel mit Jakobsmuschel. Xanten stammt übrigens vom lateinischen Wort “sanctus” (=heilig), also ist Rom nicht die einzige “heilige Stadt”. Es fragt sich, warum Papst Benedikt XVI dann nicht in Xanten wohnt, wo er doch Deutscher ist. Mich beeindruckt besonders die Märtyrerkrypta im Untergeschoß des Domes. Alte Mauerreste und neue architektonische Elemente fügen Vergangenheit und Moderne in schöner Weise zusammen Von Xanten aus machen wir uns auf den letzten Teil unseres heutigen Weges nach Kevelaer, wo wir ein Zimmer in der Jugendherberge mit Gemeinschaftsdusche im Keller und WC auf dem Flur beziehen. Die Herberge ist mit vielen jungen Sportlern aus verschiedenen Vereinen belegt, die das lange Wochenende für Vereinsfahrten ausgenutzt haben. Ausruhen ist also nicht möglich. Franz-Josef und ich gehen zu Fuß nach Kevelaer. Das Zentrum des Ortes ist voller Kirchen und Kapellen und tagsüber von Wallfahrern förmlich überlaufen, die hier tagaus, tagein eine unvorstellbar große Zahl an Kerzen verbrennen. Nicht nur mit dem Verkauf dieser Wachserzeugnisse wird “Business” gemacht, sondern auch durch versteckte Werbung, denn die Firma Underberg und die Firma Diebels haben sich auf interessante Weise im Eingangsportal der Wallfahrtskirche verewigt. Auf diese Besonderheit macht uns ein Stadtstreicher aufmerksam, mit dem wir ins Gespräch kommen. Ein Blick auf das Gnadenbild der Mutter Gottes ist nicht möglich, es wurde bereits verdeckt.

Am 25. Juni, nach einem ausgiebigen Frühstück, geht es weiter. Heute steht “Holland” (lasst das keinen Niederländer hören) auf dem Programm, doch zunächst wollen wir einen Stempel im Wallfahrtsbüro von Kevelaer holen. Um diese Uhrzeit, morgens um 9:30 Uhr, ist der Ort noch leer, so dass wir nun die Gelegenheit nutzen, alles in Ruhe anzuschauen. Der Wallfahrtsort Kevelaer entstand, weil ein niederländischer Handelsmann mehrmals eine Stimme vernahm, die ihn aufforderte, an der Stelle, an der er sich aufhielt, eine Kapelle zu errichten. Dies tat er aber erst, als auch seine Frau eine ähnliche Erscheinung hatte.

Bei anhaltendem Nieselregen machen wir uns auf den Weg nach Venlo. Die Kirche, die wir dort aufsuchen wollen, können wir trotz mehrfacher Anfahrtsversuche nicht finden, weil Straßenbauarbeiten uns den Weg versperren. Als wir aufgeben, um nach Steyl weiterzufahren, taucht linker Hand die gesuchte Martenskerk auf. Einen Stempel können wir leider nicht ergattern, weil im Pfarrhaus niemand anzutreffen ist – wir hören nur lautes Hundegebell.

Das ging jetzt aber schnell. Wir sind in Steyl, dem Ort, von wo die Steyler Missionare in alle Welt aufbrechen, um den christlichen Glauben zu verkünden. Das Missionskloster liegt direkt an der Maas und an der Missionskirche kann man ablesen, wie hoch das Wasser hier schon mal stand. In der Missionskirche ist Arnold Janssen in einem Sarkophag aufgebahrt, Missionare aller Herren Länder kommen hierher um den Gründer (ndl. = Stichter) zu verehren. weil das Wetter immer noch schlecht ist, nutzen wir die Zeit um an der mittäglichen Gebetseinheit (sext) der Missionare teilzunehmen. Einer der Missionare schreibt mir einen Segenswunsch ins Pilgerbuch.
 

Nun geht’s nach Roermond. Dort suchen wir die Munsterkerk, finden aber die St. Christoffelkathedrale mit der Jakobuskapelle. In dieser Kirche befindet sich auch die zuständige Stempelstelle für die Jakobspilger. Pilgern auf niederländisch heißt übrigens “op weg”! Wir sind nun schon 298 km “op weg” und das Wetter wird und wird am heutigen Tage nicht besser. Daher beschließen Franz-Josef und ich, Maastricht nicht mehr zu besuchen, sondern direkt von Roermond nach Aachen zu fahren, dass sind über 60 km nonstop. In Aachen machen wir Quartier in der Jugendherberge, eine moderne Unterkunft mit Dusche und WC im Zimmer. Mit dem Bus fahren wir in die Innenstadt und machen uns dort mit der Örtlichkeit vertraut. Wir werden am Sonntagmorgen um 8.00 Uhr den Gottesdienst im Dom zu Aachen aufsuchen. Nach dem Essen laden uns junge Erwachsene zur eucharistischen Anbetung in die St. Foillankirche ein. Unter dem Motto “Nightfever” erleben wir Kirche einmal ganz anders.

Am nächsten Morgen, es ist Sonntag der 26. Juni, frühstücken wir um 7.00 Uhr und machen uns dann auf den Weg zum Gottesdienst im Dom. Im Aachener Dom befindet sich nicht nur das Grab Karls des Großen sondern auch sein Thron. Der Dom war viele Jahrhunderte die Krönungskirche deutscher Könige.

Nach dem Gottesdienst besorgen wir uns unseren Stempel und nach der Besichtigung des Doms machen wir uns auf den Heimweg. Über Mönchengladbach, Viersen, Straelen, Wesel, Borken, Coesfeld, Laer, Greven, Lengerich und Osnabrück fahren wir auf dem kürzesten Weg zurück nach Hunteburg, wo wir erschöpft, aber bereichert um viele neue Eindrücke am späten Nachmittag ankommen.