KOLPING - NABU

Bienenhotel in Wiesloch

NABU und Kolpingsfamilie bauen Hotel für seltene Gäste

 

Es gibt eigentlich keinen Grund, hier zu wohnen. Das Hotel ist noch nicht einmal fertig, die Gäste sind auf engstem Raum zusammengepfercht, und es liegt direkt an einer viel befahrenen Straße in Wiesloch. Es ist ein Projekt innerhalb der landesweiten Kooperation zwischen NABU und Kolpingwerk. 

Doch Wildbienen können – anders als Menschen – nicht wählerisch sein.Ihre Lebensräume schwinden, ihre Nahrung müssen sie immer mühsamer suchen. Da kommt so ein Bienenhotel gerade richtig. Das regalgroße „Gebäude“ steht an einer vor Jahrzehnten stillgelegten Bahnlinie, auf deren Trasse jetzt reger Fahrradverkehr herrscht.

Hier finden einige der weit über dreihundert in Baden-Württemberg heimischen Wildbienenarten eine Bleibe: Im Bienenhotel von NABU und KOLPING in Wiesloch.

Den Insekten muss wie ein superkomfortables Fünf-Sterne-Hotel vorkommen, was die Kolpingsfamilie Wiesloch in Zusammenarbeit mit dem NABU hier aufgebaut hat. Es bietet auf drei Etagen gelochte Baumscheiben, Lochsteine, hohle Bambus- und Holunderzweige und viele andere Nist- und Brutorte. Und auch für Nahrung ist gesorgt: Die Wildbienen – in Baden-Württemberg gibt es rund 350 verschiedene Arten – finden auf der NABU-Meile entlang des Bahnwegs geradezu paradiesische Verhältnisse. An der ein Meter hohen Böschung dürfen viele Wildpflanzen wuchern, die anderswo mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Direkt gegenüber dem Bienenhotel, in Flugweite für ein Frühstück oder einen Snack zwischendurch, weicht das Gestrüpp einem übersichtlichen Terrassengarten. Minze, Kapuzinerkresse, Malve, Kugeldistel, Fetthenne – ein Menu vom Feinsten.

Entstanden war die Idee für die Aktion „Bienenhotel“ im Februar 2011 nach einem Vortrag der örtlichen NABU-Vorsitzenden Simone Janas bei der Kolpingsfamilie. Dass es dann so rasch voran ging, hing damit zusammen, dass Kolping-Vorstandsmitglied Dieter Riffel sich auch beim NABU engagiert. „Das hat die Kooperation und die Absprachen sehr erleichtert“, sagt er. Und kaum war die Idee geboren, machten sich auch schon fleißige Helfer ans Werk. „Man glaubt gar nicht, wie viele Kolpinger ein profundes Gartenwissen haben“, sagt Simone Janas. „Man spürt, dass Schöpfung bewahren ihnen ein echtes Anliegen ist.“ Allerdings brauchten alle erhebliches Durchhaltevermögen, denn der Wildgarten gegenüber dem Bienenhotel wurde während der langen Trockenzeit im Frühjahr angelegt – eine staubige Angelegenheit, die Pflanzen in den harten Boden zu bekommen.

Gewonnen werden konnten auch Grundschüler der Stadt – sie bauten die Quartiere für die Bienen und lernten gleichzeitig, wie wichtig die kleinen Tierchen sind. Denn Obst und Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, gerät die Befruchtung ins Stocken, kann eine ganze Nahrungskette zusammenbrechen. Ein Bienenhotel in jeder Stadt wäre da schon eine große Hilfe.

Die Pflanzen für eine Wildbienen-Menu vom Feinsten setzen die Jungen und Mädchen einen Schulklasse auf den Böschungstreifen gegenüber dem Bienenhotel: Minze, Kapuzinerkresse, Malve, Kugeldistel, Fetthenne
Rainer Ruther

Fotos: KF Wiesloch