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Kolpingsfamilie

Wickede

Portrait Adolf Kolping
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Immer gearbeitet, nie Geld verdient

veröffentlicht am

Oberin Maria Elisabeth erzählte beim Kolping-Jahresstart von ihrem Leben

Wimbern – „Ich war nie arbeitslos, aber ich habe nie Geld verdient“ – die Lebensgeschichte der gebürtigen Brasilianerin Schwester Maria Elisabeth Hemkemeier, die im Juni 2016 mit 63 Jahren als Oberin die Leitung des Heilig-Geist-Klosters in Wimbern übernahm, zog am Sonntag, den 02.02.2020, knapp 100 Mitglieder der Kolpingfamilie bei der Programmeröffnung in ihren Bann.

Als Viertgeborene mit insgesamt zehn Brüdern und drei Schwestern zeigte die Steyler Missionsschwester ihren Weg auf: von ihrer Kindheit in Brasilien über den Eintritt in den Orden mit 24 bis zu den glücklichen 15 Jahren in Papua Neuguinea, wo sie viele Jahre als Noviziatsleiterin arbeitete, bevor sie ins Mutterhaus nach Steyl kam. Dort war sie sechs Jahre Leiterin der Missionarinnen-Kurse – ihrer reichen Sprachkenntnisse wegen.

Deutsch lernte sie in Brasilien in der deutschen Schule, Portugisisch war Muttersprache, Englisch lernte sie bei einer einjährigen Fortbildung in Irland, die reduzierte Kreolsprache Pidgin beim Kontakt mit den Einheimischen im Pazifik.

Dann übernahm sie die Leitung der Kommunität in Wimbern.

Viele Fotos, eine faszinierende Power Point und Anschauungsobjekte wie die harte Fruchtkapsel der Paranuss nahmen die Zuhörer mit auf ihren weltweiten Lebensweg. Anekdoten und Szenen beleuchteten schöne und schwere Momente.

Drei Jahre ist sie noch Oberin in Wimbern. „Ein Wechsel könnte sein“, lacht sie und vertraut wie immer auf ihren Leitspruch: „Lebe von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag und lege die Zukunft in Gottes Hand.“

Die Oberin beleuchtete auch die Geschichten der Missionsschwestern, die viel für Wickede getan haben, zum Beispiel im Krankenhausdienst, wo sie 24 Stunden täglich ohne Entlohnung tätig waren oder im Dienst der Pockenstation.

Im Kloster ist sie die zweitjüngste Schwester, „wir sind vier unter 70 Jahren“. Die 86 Schwestern haben einen Altersdurchschnitt von 84 Jahren. „Wir sind auch Arbeitgeber, wir haben 56 Arbeitnehmer in Teil- und Vollzeit“, erläutert sie zur Wimberner Kommunität, die eine von acht in Deutschland ist.

Insgesamt gehören rund 3000 Ordensschwestern in 50 Ländern zur Steyler Familie, die im direkten Kontakt zu Menschen stehen, die ausgenutzt, ausgegrenzt oder arm sind, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen oder auf der Suche sind.

„Wird es den Orden in Wimbern in fünf bis zehn Jahren noch geben?“, fragte Kolping-Vorsitzender Bernhard Arndt. „Ja natürlich“, unterstrich Schwester Maria Elisabeth, „auch in Deutschland kommen ab und zu neue Schwestern hinzu“, oft Ausländerinnen. Frustrierend dabei: Ihre Studienabschlüsse werden in Deutschland oft nicht anerkannt. „Man muss zudem die Sprache beherrschen, sonst ist eine Ausbildung oder Arbeit schwierig“.

Das hat die Oberin selbst erfahren müssen, als sie mit 36 Jahren zum Englischlernen nach Irland gesandt wurde: „Ich fühlte mich wie ein kleines Kind“.

Dabei lernt sie gerne, durfte aber nur vier Grundschuljahre absolvieren, um dann der Mutter bei Erziehung und Haushalt zu helfen. Als ihre Schwester mit 11 Jahren in die fünfte Klasse kam, ging sie mit – als 22-Jährige. Später lernte sie Erzieherin und unterrichtete als Lehrerin, ihr Studium an der Kloster-Uni, absolvierte sie abends.

Welchen Wunsch sie habe, fragte Interview-Partner Bernhard Arndt. „Ein offenes Herz für Migranten – und der Jugend Sicherheit auch im Arbeitsplatzbereich geben“, so die Antwort. Und das mit einem großen Dank an die Gemeinde Wickede (Ruhr). Beim Neujahrsempfang habe sie erfahren können, was alles vor Ort geleistet wird, wie groß das Ehrenamt ist und wie viel ein kleines Dorf immer wieder spendet, nach Indien, Pater Krause, etc. Über die unglaubliche Großzügigkeit der Menschen sei sie sehr glücklich. „Weiter so, danke!“

Mit großem Beifall der 100 Zuhörer, Blume und Präsent dankte ihr am Sonntag auch die Kolpingfamilie. Mit kaltem Buffet, geselligem Miteinander und viel Gesprächsstoff nach dem über zweistündigen Vortrag klang der Abend aus.

Andrea Schulte