Warum gibt es Leid in der Welt, wenn es einen guten und liebenden Gott gibt? Warum müssen Menschen durch Krieg, Krankheit und persönliche Schicksalsschläge leiden? Und warum sterben manchmal junge Menschen, obwohl sie noch ihr ganzes Leben vor sich haben?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einem Gesprächsabend mit unserem Referenten und Kolpingbruder Wolfgang Simon. Im Mittelpunkt stand dabei die sogenannte Theodizee-Frage. Sie beschäftigt sich mit einem der schwierigsten Probleme des Glaubens: Wie lassen sich das Leid und das Böse in der Welt mit einem guten, allmächtigen und liebenden Gott vereinbaren?
Wolfgang Simon hat sich intensiv mit dieser Frage und den unterschiedlichen Antworten beschäftigt. Zu Beginn des Abends gab er deshalb zunächst einen Einblick in seine Forschungen und Gedanken zur Theodizee. Dabei wurde deutlich, dass diese Frage die Menschen nicht erst seit heute beschäftigt, sondern bereits seit Jahrhunderten Theologen, Philosophen und Gläubige immer wieder vor große Herausforderungen stellt.
Anschließend entwickelte sich eine rege und offene Gesprächsrunde. Viele Fragen wurden gestellt, und schnell ging es nicht mehr nur um theoretische Überlegungen. Es wurde persönlich.
Die Teilnehmer sprachen über das Hadern mit Gott angesichts von Kriegen und Gewalt, über schwere Krankheiten und über den Tod junger Menschen. Gerade in solchen Situationen fällt es schwer zu verstehen, warum Gott Leid zulässt, wenn er doch als liebender Gott verstanden wird. Auch persönliche Zweifel am eigenen Glauben fanden ihren Platz. Es wurde deutlich, dass solche Zweifel nichts sind, über die man schweigen muss.
Eine wichtige Wendung nahm die Diskussion bei der Frage nach der Verantwortung des Menschen. Denn wenn Gott dem Menschen Freiheit und Eigenverantwortung gegeben hat, dann bedeutet das auch, dass wir selbst Verantwortung für unser Handeln tragen. Vieles Leid in der Welt wird nicht von Gott verursacht, sondern entsteht durch Menschen: durch Krieg und Gewalt, durch Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Ungerechtigkeit oder fehlendes Mitgefühl.
Damit kam ein weiterer Gedanke in den Mittelpunkt: Vielleicht ist Gott nicht dazu da, uns jedes Leid abzunehmen und alle Schwierigkeiten aus unserem Leben fernzuhalten. Vielmehr kann der Glaube die Kraft geben, schwierige Situationen auszuhalten und mit persönlichen Schicksalen umzugehen. Und er kann uns daran erinnern, dass auch wir selbst etwas tun können.
Toleranz, Nächstenliebe, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Vergebung, Respekt und Verantwortung füreinander sind dabei keine bloßen Worte. Sie können ganz konkret im täglichen Leben gelebt werden. Dort, wo Menschen füreinander da sind, einander helfen, zuhören, trösten oder Verantwortung übernehmen, wird auch etwas von dem sichtbar, was christlicher Glaube bedeuten kann.
Eine endgültige Antwort auf die Theodizee-Frage gab es an diesem Abend natürlich nicht. Vielleicht kann es eine solche Antwort auch gar nicht geben. Aber genau darum ging es auch nicht. Viel wichtiger war, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zuzulassen und unterschiedliche Gedanken auszuhalten.
Am Ende blieb die Erkenntnis: Glaube bedeutet nicht unbedingt, auf alles eine Antwort zu haben. Er kann auch bedeuten, trotz ungelöster Fragen weiter nach Sinn zu suchen, Zweifel auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass man schwere Wege nicht allein gehen muss.
So war es ein nachdenklicher, persönlicher und zugleich sehr offener Abend, der sicher bei vielen noch eine Weile nachwirken wird.
Ein herzlicher Dank gilt unserem Referenten und Kolpingbruder Wolfgang Simon, der sich intensiv mit der Theodizee beschäftigt hat und uns mit seinen Forschungen und Impulsen einen besonderen Zugang zu diesem schwierigen Thema ermöglicht hat. Ebenso gilt unser Dank allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mit ihren Fragen, Gedanken und persönlichen Erfahrungen zu einem offenen und lebendigen Austausch beigetragen haben.