Titel Kreuzweg

Mit Adolph Kolping den Kreuzweg beten

Kreuzzeichen & Begrüßung

Der selige Adolph Kolping – der Gründer des Kolpingwerkes und
Gesellenvater – sagte einmal: „Was die Erde nicht bieten kann,
das findet der Christ unter dem Kreuz!“ Was meint er damit?
Jetzt, in dieser Stunde, stellen wir uns unter das Kreuz, um
gemeinsam zu beten. Was werden wir wohl unter dem Kreuz
finden? Auf den ersten Blick werden wir nur Leid, viele Fragen,
Unverständnis, Unmenschlichkeit, Hass und schließlich den Tod
finden! Doch für Kolping bietet das Kreuz mehr, etwas, dass die
Erde tatsächlich nicht bieten kann. Es ist ein Geschenk, das nur
im Glauben und im Vertrauen auf einen lebensbejahenden Gott
angenommen werden kann. Dabei geht es um die Kernbotschaft
unseres Glaubens: Deinen Tod, oh Herr verkünden wir und deine
Auferstehung preisen wir! Darin liegt das Geheimnis. Adolph
Kolping wusste das. Er hat gespürt, erlebt und darauf vertraut,
dass Gott in den dunkelsten Stunden dem Menschen ganz nahe
ist. Aus dieser Zuversicht heraus, konnte er all den
Herausforderungen des Lebens und allen Unmenschlichkeiten
zum Trotz etwas entgegensetzen: „So weit Gottes Arm reicht, ist
der Mensch nie ganz fremd und verlassen. Und Gottes Arm reicht
weiter, als Menschen denken können!“


Gebet

Herr Jesus Christus, du bist der Arm, der weiter reicht, als wir
denken können. Bis in die dunkelsten Stunden unseres Lebens
hinein reicht dein Arm. Du selbst bist diesen Leidensweg uns
voraus gegangen. Du hast am eigenen Leib erfahren zu was
Menschen im Stande sind und was Menschen erleiden müssen.
Doch du bist diesen Weg trotz Zweifel und Angst konsequent
weiter gegangen. Von dir wissen wir, dass es sich lohnt, der Liebe
Gottes zu vertrauen. Der Arm der Liebe lässt uns nicht im Tod, er
führt uns wieder auf den Weg ins Licht. Dafür danken wir und um
diese Gewissheit bitten wir dich, wenn wir miteinander deinen
Leidensweg, unseren Weg der Erlösung beten. Amen.


Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Jesus wird zu Pontius Pilatus geführt. Es wird erwartet, dass der
Statthalter ein Urteil fällt. Ist Jesus schuldig? Das Urteil ist längst
gefallen. „Schuldig, ans Kreuz mit ihm!“ fordern die Menschen.
Pilatus hätte die Macht, Recht zu sprechen. Doch er beugt sich
der Menge und weist jede Verantwortung von sich.

Adolph Kolping sagt:
„Bei Leuten, die uns gefallen, wollen wir in der Regel die Fehler
nicht sehen, und bei Leuten, die uns missfallen, sind wir gern
blind für ihr Gutes.“

Schnell fällen wir ein Urteil über andere. Stecken unsere
Mitmenschen in Schubladen und zeigen mit dem Finger auf sie.
Warum? Weil wir uns für etwas Besseres halten? Weil Fremdes
und Ungewohntes uns Angst machen? Weil wir von unseren
eigenen Fehlern und Schwächen ablenken wollen? Nicht selten
folgen wir Gerüchten und fordern Urteile. Wir fällen und fordern
Urteile, an denen Menschen zerbrechen. Doch seine Hände in
Unschuld zu waschen ist einfacher, als gegen den Strom zu
schwimmen.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, es fällt uns leicht Urteile über andere zu fällen. Bitte verzeih
uns diese Schwäche. Stärke in uns den Mut, immer dann den
Mund aufzumachen, wenn falsche und ungerechte Urteile das
Leben eines Menschen zerstören. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Jesus nimmt das Kreuz auf sich. Die ganze Last der
Unmenschlichkeit lastet auf seinen Schultern. Es ist eine Last, die
ihm andere aufbürden. Von denen, die feige jede Verantwortung
und Schuld von sich weisen.
Doch es ist auch eine Last, die er freiwillig auf sich nimmt. Von
jenen Menschen, die von Schicksalsschlägen gezeichnet sind.

Adolph Kolping sagt:
„Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen
ruhte.“

Nichts drückt schwerer als die Last des Todes, der Trauer und
des Leids. Nicht wenige von uns mussten schon schmerzlich
erfahren, welche Tücken das Leben mit sich bringt. Wir beginnen
zu zweifeln und fragen uns: Warum? Eine Antwort werden wir so
schnell nicht bekommen. Doch zumindest können wir spüren,
dass es da jemanden an unserer Seite gibt, der die Last mitträgt.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, die Last des Lebens ist oftmals stärker, als die Freude.
Es fällt uns schwer zu hoffen, zu glauben und zu vertrauen.
Entzünde in uns einen Funken Hoffnung, damit wir vertrauensvoll
unseren Kreuz-Weg gehen können. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Selbst für Jesus wird die Last zu schwer. Auch er hadert mit
seinem Schicksal. Muss das alles so sein? Gibt es denn keinen
anderen Weg?
Doch er schafft es, sich wieder aufzurichten. Die Liebe zu Gott
und den Menschen ist stärker.

Adolph Kolping sagt:
„Es gibt einmal auf der ganzen Welt kein Band so stark als das
Band des Herzens.“

Wer möchte da nicht resignieren bei all dieser Last. „Ich kann
nicht mehr! Ich schaffe das nicht!“, dieses Gefühl kennen wir alle
nur zu gut. Gibt es überhaupt noch etwas, für das es sich lohnt
wieder aufzustehen und zu kämpfen? Trotz Schwachheit, trotz
Dunkelheit, trotz Leid, gibt es auch etwas Gutes in dieser Welt:
Liebe!

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, wir verstehen nicht, warum uns das Leben immer wieder so
übel mitspielt. Wir sind am Ende und können nicht mehr. Schenke
uns immer wieder liebevolle Momente, damit wir dir und dem
Leben vertrauen können. Wenn wir fallen, gib du uns die Kraft,
damit wir wieder aufstehen und das Leben mutig anpacken
können. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Die Last des Kreuzes wird noch schwerer, als Jesus sieht, wie
sehr seine Mutter mitleidet. Das eigene Kind so leiden zu sehen,
zerreißt Maria das Herz. Sie können einander nicht helfen, doch
sie können einander spüren lassen, wie sehr sie sich lieben.

Adolph Kolping sagt:
„Die Familie ist das Erste, was der Mensch vorfindet im Leben,
und das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt, und das
Kostbarste im Leben, was er besitzt.“

In den dunkelsten Stunden im Leben eines Menschen ist der
Zusammenhalt der Familie am allerwichtigsten. Einander
beistehen, sich in dem Arm nehmen und schweigend den
Schmerz teilen. Vielleicht wird es notwendig sein, alle
Kränkungen und Verletzungen, die man einander zugefügt hat,
hinten anzustellen. Die Liebe ist stärker als das Leid, wenn wir
wie Maria glauben: „Trotz allem, Gott, vertrauen wir dir!“

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, trotz all dem Leid wollen wir dir vertrauen. Wir können dich
und deine Liebe ins Spiel bringen, wenn wir einander beistehen
und Trost spenden. Schenke uns die nötige Kraft dazu, damit wir
in unseren Familien dann zusammenhalten, wenn die Liebe am
meisten herausgefordert wird. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Simon von Cyrene wird gezwungen zu helfen. Eigentlich wollte er
nur sehen, was da los ist, warum die Menschenmenge so
aufgebracht ist. Auch wenn er widerwillig mit anpacken musste,
spürt Jesus für einen kleinen Moment Erleichterung. Der Fremde
wird zum Wegbegleiter.

Adolph Kolping sagt:
„Die Liebe beweist sich als ein geheimnisvolles, wohltätiges
Leben und Wirken, weil es Leben und Tat ist, mit Worten nicht viel
zu tun hat.“

Plötzlich taucht da ein menschliches Gesicht auf. Es findet
Begegnung auf Augenhöhe statt. Keine Vorurteile, kein Hass,
keine Beleidigungen, kein diffamierendes Wort. Einfach nur
Mitmenschlichkeit. Es ändert zwar nichts an der Situation. Doch
diese Begegnung macht Mut.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, eigentlich wollen wir mit dem Leid des anderen nichts zu tun
haben. Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen. Gib uns
den Mut auf den anderen zuzugehen, damit wir so zu
Wegbegleiter werden, die das Kreuz ein Stück Weg mittragen.
Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Veronika findet keine Worte des Trostes. So viel Leid macht
einfach nur sprach- und machtlos. Dennoch läuft sie nicht
resignierend davon. In mitten des Leids wendet sie sich liebevoll
Jesus zu und reicht ihm ein Tuch. Diese liebevolle Geste ist
heilsamer als tausend Worte.

Adolph Kolping sagt:
„Tätige Liebe heilt alle Wunden, bloße Worte mehren nur den
Schmerz!“

Nicht ewig diskutieren und zahlreiche „Abers“ bedenken, sondern
sich den Menschen zuwenden, dazu sind wir berufen. Wenn es
um die Not der Menschen geht, darf es eigentlich kein „Aber“
geben. Tatkraft ist gefragt. Und wenn wir uns nur schweigend in
den Armen halten, können wir dem Leid und dem Schmerz etwas
entgegensetzen.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, eigentlich wurde schon alles gesagt. Doch diskutieren und
lamentieren fällt uns leichter, anstatt tatkräftig mit anzupacken, wo
Mitmenschlichkeit gefragt ist. Bitte verzeih uns diese Schwäche
und mach uns zu mutigen Zeugen deiner Liebe. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Jesus droht an den Qualen und der Last des Kreuzes zu
zerbrechen. Am eigenen Leib spürt er, zu was die Menschen
fähig sind. Er zerbricht daran. Tiefer kann kein Mensch mehr
fallen. Doch Jesus möchte all den Grausamkeiten, all dem Hass,
all den Unmenschlichkeiten etwas entgegensetzen. Er richtet sich
wieder auf und setzt somit ein Zeichen der Liebe und
Menschenwürde, das stärker ist als alles andere.

Adolph Kolping sagt:
„Wer sich an Gott hält, den lässt er niemals fallen, und wenn Gott
hilft, geschieht das Gute trotz den Menschen.“

Wie oft brechen Menschen unter den Herausforderungen des
Lebens zusammen. Die Lasten in Familie und Beruf sind oftmals
unerträglich. Ausgebrannt, verzweifelt und hilflos liegen wir am
Boden. Macht es da noch Sinn, Gott zu vertrauen? Gelingt es uns, noch
etwas Gutes in unserem Leben zu entdecken? Wenn wir trotz
allem noch Spuren der Liebe in unserem Leben finden können,
gibt es Hoffnung. Es ist eine Hoffnung, die uns Kraft gibt, wieder
aufzustehen.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, wir liegen am Boden. Wir brauchen etwas, für das es sich
lohnt wieder aufzustehen. Hinterlasse in unserem Leben Spuren
deiner Liebe, damit wir das Leben spüren. Nur so können wir
hoffen und finden wieder Kraft unser Leben, mit all seinen
Herausforderungen, anzupacken. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Am Wegesrand stehen Menschen, die Jesus mit Hass und Spott
begegnen. Sie wünschen ihm den Tod. Doch dort stehen auch
Menschen, die um ihn trauern und weinen. In seiner dunkelsten
Stunde hat Jesus die Kraft, sich an die Weinenden und
Trauernden zu wenden. Er will kein Mitleid. Er will nicht, dass sie
um ihn weinen. Jesus geht den Kreuzweg, um allen Menschen
einen Spiegel vorzuhalten. Sie sollen erkennen und begreifen,
dass all das Leid vom Menschen selber ausgeht. Das ist es,
worüber sie klagen und weinen sollen.

Adolph Kolping sagt:
„Was hilft das Klagen, was hilft das Seufzen bei dem Übel, wenn
nicht Hand angelegt wird, es zu verhüten?“

Die Not jedes Einzelnen zu lindern ist richtig und wichtig.
Genauso wichtig ist es eben auch, die Ursache des Leids zu
bekämpfen. Dabei ist es leicht, sich aus der Verantwortung zu
stehlen: „Sollen doch die da oben, die Politiker und
Herrschenden, etwas dagegen unternehmen!“ Doch nicht selten
sind wir es selber, die mit ihrem Schweigen und ihrem Gerede,
die mit ihrem Nichtstun und ihrem Wegschauen, die mit ihrer Art
zu leben, anderen Leid zufügen bzw. Leid zulassen.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, es ist leicht dich und andere für all das Leid auf dieser Welt
verantwortlich zu machen. Doch diese Anklage nützt niemanden.
Lass uns erkennen, wo wir im eigenen Leben etwas zum Guten
verändern können, damit wir – mag der Schritt noch so klein sein
– Leid vermindern und verhindern. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Und wieder fällt Jesus unter der Last des Kreuzes zusammen.
Macht das alles überhaupt noch Sinn? Der Wille Jesu scheint
gebrochen. Die Unmenschlichkeit und der Hass scheinen stärker
zu sein, als die Achtung vor dem Leben. Doch das ist nicht der
Wille Gottes. Jesus rafft sich mit letzter Kraft wieder auf, um der
ganzen Welt zu zeigen, Gott ist den Menschen treu. Er lässt sie
nicht in der Dunkelheit.

Adolph Kolping sagt:
„Das Christentum ist für den ganzen Menschen in allen seinen
Lebensbeziehungen da, soll ihn vom Bösen erlösen und in allem
Guten unterrichten und stark machen.“

Das Leben kann einem schon übel mitspielen. Da werden
Menschen von mehreren Schicksalsschlägen heimgesucht.
Arbeitslosigkeit gesellt sich zu Krankheit, Krankheit gesellt sich zu
Trennung, Trennung zu weiterer Krankheit. „Was muss ich denn
noch alles aushalten?“ „Warum straft mich das Leben so?“
würden wir am liebsten hinausschreien. Ein Sich-Aufrichten
scheint unmöglich. Und Gott? Hat Gott uns in Stich gelassen?
Gott ist da. Er lässt sich finden. Überall dort, wo Güte und Liebe
ist, dort ist Gott im Spiel.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, wenn wir am Boden liegen, wecke in uns die Erinnerung an
die Hochs in unserem Leben, damit wir daraus Kraft schöpfen
können. Und schenke uns das Glück immer wieder auf Menschen
zu treffen, die uns durch diese schweren Zeiten mit ihrer Fürsorge
begleiten. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Als die Menschen Jesus die Kleider vom Leib reißen, rauben sie
ihm seine letzte Würde. Bloßgestellt und vorgeführt, steht Jesus
vor der gaffenden und grölenden Menge. Das ist die grausame
Folge, wenn Menschen einander bewerten und geringschätzen.

Adolph Kolping sagt:
„Gelten, herrschen und dominieren wollen um jeden Preis und mit
allen Mitteln, ist eines der verbreitetsten sozialen Laster, welches
ein ganzes Gefolge anderer Übel hinter sich herzieht.“

Nicht selten tragen auch wir dazu bei, dass andere Menschen
bloßgestellt werden. Wir sprechen eher „über“ andere als „mit“
ihnen. Dabei führen wir all die Schwächen und Fehler auf, die wir
bei uns selber nicht sehen wollen. Werden deswegen andere
geringgeschätzt, um sich selber besser und wertiger zu fühlen?
Diese Haltung ist der Beginn allen Unfriedens. Unfriede, der von
uns selber ausgeht.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, wir stellen lieber andere bloß, als uns selber kritisch in den
Blick zu nehmen. Bitte verzeih uns diese Schwächen. Weil wir mit
deiner vergebenden Liebe rechnen dürfen, ist es nie zu spät
diese Haltung zu ändern. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Das Todesurteil wird vollstreckt. Jesus wird aufs Kreuz gelegt und
darauf festgenagelt.
Jesus schenkte den Außenseitern dieser Gesellschaft Hoffnung.
Weil er mit seiner befreienden Botschaft die Machtordnung
durcheinanderbrachte, wird Jesus am Kreuz als Mahnmal und zur
Warnung für alle vorgeführt. Ungerechte Urteile, Hass,
Unwahrheiten und blinder Gehorsam bringen den Tod.

Adolph Kolping sagt:
„Es rächt sich im Leben des Menschen und ihm Leben des Volkes
kaum etwas so schrecklich und nachhaltig als das Verschmähen
der Wahrheit.“

Menschen machen einander fix und fertig. Menschen werden aufs
Kreuz gelegt. Auch von uns. Wir nageln Menschen fest – an
Regeln und Gesetze, an Normen und Werte, an ihre Versprechen
und Prophezeiungen. Wie oft gehen wir da grausam mit ihnen ins
Gericht und übersehen dabei die Lebens- und Leidensgeschichte
die hinter ihnen steckt. Unsere ungerechten Urteile, unser Hass,
unsere Unwahrheiten und unser blinder Gehorsam zerstören
Existenzen.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, wenn es um unseren eigenen Vorteil geht, sind uns oftmals
alle Mittel recht. Wir nehmen es in Kauf, andere dabei zu
schaden. Bitte verzeih uns diese Schwäche. Mach uns zum
Sprachrohr für die Wahrheit und gib uns den Mut, gegen
menschenverachtende Parolen anzukämpfen. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Festgenagelt am Kreuz, erleidet Jesus qualvolle Schmerzen. In
seiner dunkelsten Stunde schreit er: „Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?“ Kein Leben, keine Liebe, keine
Hoffnung – alles ist erloschen. Jesus ist tot.
Der Mensch hat gezeigt, zu was er fähig ist. Der Mensch hat
gezeigt, was er am meisten Bedarf: Vergebung und Erlösung.

 

Adolph Kolping sagt:
„Ist Gottes Wort und Werk tatsächlich und unfehlbar da, dann
steht es allerdings in der Freiheit des Menschen, ob er an Gott
und seinem Wort und Werk teilhaben will oder nicht.“

Wie oft schreien Menschen auf der ganzen Welt tagtäglich mit
Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Menschen stehen am Abgrund ihres Lebens, weil alles Hab und
Gut durch Katastrophen vernichtet wird. Menschen stehen am
Abgrund ihres Lebens, weil sie die Diagnose einer schweren
Krankheit entgegen nehmen müssen. Menschen stehen am
Abgrund ihres Lebens, weil Krieg, Terror und Folter sich
ausbreiten. Menschen stehen am Abgrund ihres Lebens, weil
ihnen Neid, Hass und Fremdenfeindlichkeit entgegenschlägt.
Menschen stehen am Abgrund ihres Lebens, weil ein lieber
Mensch aus dem Leben gerissen wird.
Wir suchen nach dem Grund, nach der Ursache allen Leids. Wir
fragen uns: „Warum?“ Warum hat Gott uns verlassen?“

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, hast du uns in Anbetracht des Leids wirklich verlassen? Wir
können und wollen dem nicht glauben schenken. Vielmehr hoffen
und vertrauen wir auf deine Nähe. Deswegen bitten wir dich:

Mach uns stark in unserem Glauben an deine Wegbegleitung,
damit wir nicht an der quälenden Frage nach dem „Warum?“
zugrunde gehen. Lass uns in Krisensituationen immer wieder auf
Menschen treffen, die uns einen Weg aus der Krise weisen.
Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Jesus ist tot. Sein Leidensweg ist zu Ende. Doch der Leidensweg
geht weiter – für seine Freunde, für die, die alle Hoffnungen in ihn
gesetzt haben und vor allem für seine Mutter. Der tote Leichnam
Jesu wird in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt. Alles was
bleibt, ist tiefer Schmerz und Trauer. Und trotzdem: Maria
versucht am Glauben an Gott festzuhalten. Sie vertraut Gott.

 

Adolph Kolping sagt:
„Gottes Willen ist der beste auch für uns, wenn uns bei seinen
heiligen Anordnungen auch bisweilen das Herz wehtut.“

Um einen lieben Menschen zu trauern, ist das Leidvollste was
Menschen aushalten müssen. Weil Jesus den Kreuzweg
gegangen ist, kennt Gott die Trauer und den Schmerz der
Menschen. Wie Maria dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns
näher ist, als wir glauben. Er reicht uns seine Hand und führt uns
aus dem Tod heraus ins Leben.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, einen lieben Menschen zu verlieren, zerreißt uns das Herz.
Auch die Tatsache, dass unser eigenes Leben endlich ist, macht
uns Angst. Stärke unseren Glauben in deine lebensspendende
Liebe und schenke uns die Gewissheit, dass der Tod nicht das
letzte Wort hat. Amen.

Kreuzweg

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und danken dir.
A: Denn dein Leidensweg ist der Weg unserer Erlösung.
Josef von Arimatäa bestattet Jesus. Die Menschen, die Jesus
lieben, erweisen ihm die letzte Ehre und geben ihm so seine
Würde zurück. Sie trösten sich gegenseitig und helfen einander,
das Leid zu ertragen. Mitmenschlichkeit und Hoffnung kehrt
zurück. Sie vertrauen der Botschaft Jesu: „Gott segnet die
Trauernden.“ Sie vertrauen darauf, dass Gott die Menschen nicht
im Tod lässt, sondern sie zurückholt ins Leben.

Adolph Kolping sagt:
„So weit Gottes Arm reicht, ist der Mensch nie ganz fremd und
verlassen. Und Gottes Arm reicht weiter, als Menschen denken
können!“

Jesus Christus ist den Kreuzweg gegangen, um uns Menschen zu
befreien und zu erlösen. Alles, was wir anderen Menschen
angetan haben, findet Vergebung. Der Tod, vor dem wir uns am
meisten fürchten und der uns so viel Schmerz bereitet, ist
überwunden. Weil dem so ist, können wir einander trösten und
beistehen. Wenn wir tagtäglich aus dieser Hoffnung heraus leben,
hat die Liebe eine Chance. So werden wir zu Zeugen der
Auferstehung Jesu. Gott lässt uns nicht im Tod. Wie Jesus, so
werden auch wir auferstehen. Er geht mit uns den Weg durch den
Tod zum Leben.

kurze Stille:

gemeinsames Gebet:
Gott, du hast dich als der „Ich bin, der ich bin da“ offenbart. Selbst
in den dunkelsten Stunden unseres Lebens lässt du uns nicht
allein. Du reichst uns deine Hand und führst uns ins Leben. Dafür
danken wir dir aus ganzem Herzen. Lass uns jeden Tag neu aus
dieser Hoffnung heraus leben. Amen.

Brauchtum & Herausgeber

Als Kreuzweg bezeichnet man einen der Via Dolorosa (schmerzensreiche Straße) in Jerusalem, den Leidensweg Jesu Christi, zuweilen auch Fußfallstationen genannt, weil die Beter an jeder Station niederknien.

Franziskaner waren es auch, die den Gedanken der Nachbildung des Leidens und Sterbens Jesu in andere christliche Länder brachten. Mit Hilfe von Bildstöcken entlang eines Kreuzweges waren Menschen, die nicht lesen konnten, in der Lage, sich das Geschehen am Gründonnerstag und Karfreitag in Jerusalem bildlich vorzustellen und den Leidensweg Jesu nachzuvollziehen. Oft führte der Weg auf eine Anhöhe mit einer Kirche oder Kapelle. Solche Hügel heißen bis heute “Kalvarienberg”, abgeleitet vom lateinischen Wort calvaria (Schädel). Der Hügel Golgota wurde nämlich auch Schädelstätte genannt.

Seit dem 18. Jahrhundert soll zudem in jeder römisch-katholischen Kirche ein Kreuzweg vorhanden sein, unser abgebildeten Kreuzweg finden sie die Originale in der St. Andreas Kirche, Parsberg.

Von Christan Segerer

 

Herausgeber von: “Mit Adolph Kolping den Kreuzweg beten”

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