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Kolpingsfamilie

Hochheim

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The lost Paradise

veröffentlicht am

Das Paradies muss nicht für immer für uns verloren sein ? lautet eines der Ergebnisse aus dem Gesprächsabend zur Bibel mit Pfarrer Christian Preis. Der Polizeiseelsorger aus Flörsheim kam gerne auf Einladung seiner Kolpingfamilie nach Hochheim. Schon beim Familienwochenende zum Thema ?Turmbau zu Babel? im vergangenen Jahr waren viele Stimmen laut geworden, häufiger direkt in der Bibel zu lesen und mit den Texten und Geschichten zu arbeiten. So hatte Christian Preis sich auf das Thema ?Sündenfall? intensiv vorbereitet. Der Text aus Genesis 2-4 war Grundlage für Vortrag und Gespräch. Zunächst schien der Text sehr lang. Aber im Laufe des Abends wurde klar, warum nicht nur die Erschaffung des Menschen und das Essen der verbotenen Gartenfrüchte in den Blick genommen werden konnte, sondern auch noch Kain und Abel und die Nachkommen von Kain und Set.
Sehr lebendig und anschaulich ging der Seelsorger vor den bis zum Schluss gebannt zuhörenden Gästen den Text erklärend und interpretierend durch. Die dabei entstehenden Fragen und Einwürfe konnten gleich eingebracht werden.
Christian Preis verwies schon gleich zu Beginn darauf, dass die Erzählung aus der Bibel entstanden war, weil Menschen Antworten auf die Frage suchten, warum die Welt so ist, wie sie ist, warum es Leid, Mühsal, Arbeit, Schmerz und Tod gibt. Der Bibeltext sollte auch vor diesem Hintergrundwissen gelesen werden.
Anders als in anderen zeitgleichen Religionen des Altertums ließ Gott den Menschen nicht für sich arbeiten, sondern sorgte für ihn, indem er ihn in einem Garten einsetzte, für den er verantwortlich sorgen sollte. Lediglich von den Bäumen in der Mitte des Gartens, dem der Erkenntnis von Gut und Böse und dem des Lebens, war verboten zu essen. Gott hatte den Menschen, Adam, aus Erde vom Ackerboden geschaffen und machte ihn lebendig, indem er ihm seinen Lebensatem schenkte, der ihn erfüllte. Damit der Mensch nicht allein sei, schuf Gott noch andere Lebewesen und schließlich, da der Mensch ein ?Du? braucht, aus der Rippe und dem Fleisch des Mannes seine Lebensgefährtin, die Frau. Ausdrücklich verwies Christian Preis darauf, wie die Schöpfungsgeschichte verdeutlicht, dass erst beide zusammen, Mann und Frau, ?den Menschen? ausmachen.
Anders als bei Pflanzen und Tieren, gab Adam der Frau keinen Namen, um seine Macht über sie zu erklären. Preis erklärte den Paradiesischen Zustand auch damit, dass kein Mensch über einen anderen Macht hat, indem er ihm z.B. einen Namen gibt.
Bekanntermaßen hielten sie Frau und Mann nicht an das Verbot, bestimmte Früchte nicht zu essen. Was aus der Textarbeit erkannt wurde: das Wort ?Sünde? taucht erst beim Brudermord des Kain auf, nicht früher. Das Essen der Früchte, die Gut und Böse unterscheiden lässt, führte zunächst nur dazu, dass die Menschen erkannten, dass sie nackt waren und sich begannen, zu bekleiden. Sündhaft wurde ihr Verhalten erst, als sie nicht bereit waren, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen: sie versteckten sich, als Gott sie rief, weil sie wussten, dass dann ihr Tat ans Licht trat, und sie schoben die Verantwortung ab: an die Schlange bzw. die Frau. Folge des Brechens des Gebots war u.a. dass der Mann über die Frau herrschte, und dass es seitdem mühsam war, für sein tägliches Brot zu arbeiten. Jetzt erst gab Adam auch seiner Frau ihren Namen, Eva. Die Vertreibung aus dem Paradies hatte nicht zur Folge, dass Gott die Menschen nicht mehr liebte (genauso wenig wie wenn Kinder die Erziehungsregeln ihrer Eltern brechen) ? er sorgte weiterhin für sie, indem er ihnen Kleidung aus Fell machte.
Bei Kain und Abel wurde nun die Geschwisterlichkeit gebrochen ? und ausdrücklich der Brudermord als ?Sünde? bezeichnet. Obwohl Gott Kain zutraute, seinen Neid gegen den Bruder zu überwinden, tötete dieser seinen Bruder. Er zeigte keine Reue über die Tat, und Gott vergab ihm nicht. Kain musste nun sein Schicksal tragen, machte aber, wie viele skrupellose Menschen, Karriere, und ebenso seine zahlreiche Nachkommenschaft. Hoffnung gibt ein drittes Kind von Adam und Eva, Set, unter dessen Sohn die Verehrung Gottes begann. Gott ist Gott der Kleinen, beendete Christian Preis im Blick auf das Neue Testament seine Ausführungen. Wir haben eine Ahnung davon, wie Gott die Menschen gemeint haben könnte, wie sie sein könnten, wenn wir nicht andere unterdrücken oder beherrschen wollen. Wenn wir Menschen uns ändern, ändern wir die Welt, in der wir leben.
Mehrfach wurde im Anschluss an den Abend der Wunsch an Christian Preis herangetragen, bald wieder einen Bibel-Gesprächs-Abend zu gestalten. Vorschläge für Themen können gerne an die Kolpingfamilie abgegeben werden.

 

Ansprechperson

Alois Hofmann und Peter Moravek

info@kolping-hochheim.de