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Künstliche Intelligenz kann Segen oder Fluch bedeuten

veröffentlicht am

Kölner Sozialwissenschaftler sprach in Hennef bei Veranstaltung der Kolpingsfamilie

Der rasante Fortschritt in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) fordert heraus: zu aufklärender Bildungsarbeit, zur Aktualisierung ethischer Werte und deren Anwendung sowie zur Unterscheidung technischer und menschlicher Stärken. Das betonte der Sozial- und Wirtschaftsethiker Elmar Nass auf einer Veranstaltung der Kolpingsfamilie Hennef unter dem Thema „Hat Gott den Anschluss verloren? Christliche Religion im KI-Zeitalter“.

Elmar Nass hat in Bonn, Rom und Trier Sozialwissenschaften und Theologie studiert. Nach zwei Promotionen in Sozialwissenschaft und Sozialpolitik/Sozialökonomik arbeitete er wissenschaftlich an den Universitäten Bochum, Duisburg/Essen und Bonn sowie an der Philosophischen Fakultät der TH Aachen. Nach einer Lehrtätigkeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Fürth ist er nun Lehrstuhlinhaber für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT). 

Künstlicher Intelligenz (KI) gehört zu den bevorzugten Themen von Elmar Nass, der auch Autor mehrerer Fachbücher ist. Er sieht beides als Möglichkeit: Fluch und Segen der KI. Der Mensch entscheide, was er daraus mache! Auf der Veranstaltung der Kolpingsfamilie ging es ihm darum, die Ausgangssituation zu klären: Was ist moralisch gut oder schlecht?

Technische Programme, Algorithmen und Robotik seien nicht aus sich heraus moralisch zu bewerten, sondern vielmehr gehe es um deren Einsatz und die entsprechenden Folgen: Menschenwürde, Gerechtigkeit, Verantwortung, Demokratiefähigkeit und Verhältnis zu Gott sind für Elmar Nass die entscheidenden Faktoren.

KI verändert unser Leben nachhaltig, darüber gebe es keinen Zweifel. Der Mensch solle selbst über sein Leben und damit auch über den Einsatz der KI bestimmen, sagte Elmar Nass. Und der Mensch sei zum selbst gewählten und gut begründeten Werteurteil fähig. Und der gebildete Mensch halte sich an vorgegebene normative Grundsätze. 

Könne nun künstlicher Intelligenz eine Überlegenheit gegenüber dem menschlichen Urteil zugesprochen werden? Sei das Ende menschlicher Bildung samt Ethik eingeläutet? Denn ohne menschliche Steuerung könnten Prognosen erstellt, Texte oder Bilder erzeugt, Drohnen gelenkt, komplexe Probleme gelöst und Entscheidungen in Dilemmata getroffen werden. Wäre das ohne die Fehlerhaftigkeit des Menschen möglich? KI schreibe wunderbare Reden, Artikel und Predigten. Hausarbeiten oder Dissertationen könnten per Mausklick erstellt werden.

Elmar Nass wandte sich dagegen, KI zu überschätzen. Sie basiere auf mathematischen Formeln, die mit Daten gespeist würden. Das Ergebnis sei immer nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, mehr nicht. Auch generative KI schaffe nichts ganz Neues. Zudem seien die Systeme anfällig für technische Fehler oder Störungen durch Angriffe von außen. Selbst für Experten seien Ergebnisse nicht mehr nachvollziehbar und entzögen sich menschlicher Kontrolle. Fehlprognosen könnten verheerende Folgen haben. 

Elmar Nass: „Die Systeme haben keine Seele, keine Gefühle oder Intuition, empfinden weder Freundschaft, Sympathie, ehrliches Interesse, Liebe oder Hass.“ Sie könnten nicht die Bedeutung von Worten, Situationen oder Argumenten erfassen und aufgrund von vernünftigen Abwägungen Urteile fällen. „KI kann keine Verantwortung übernehmen.“ Auch „Künstliche Moral“ ändere daran nichts. Transhumanismus führe zu keinem Paradies auf Erden,Technik beherrsche nicht die Evolution.

Der Sozialethiker warnte vor einer technikgetriebenen Avantgarde, die mit ihrem Wissensvorsprung eine Oligarchie bilde und die Unterordnung des Menschen unter technische Überlegenheit verlange.

Damit bestritt der Referent keineswegs die große Leistung von KI bei neuen Forschungsgebieten und Chancen durch große Zeitersparnis. Dies solle aber nicht dazu führen, dass menschliche Talente deaktiviert werden, weil der Mensch den Gebrauch seiner Fähigkeiten verlerne.

KI werfe Fragen an das Selbstverständnis als Mensch auf: Haben humanoide Roboter so etwas wie Menschenwürde? Kann ich meine Verantwortung an KI delegieren?

Für Elmar Nass fordert die KI zu einem vertieften ethischen Nachdenken und zu einer intensiveren ethischen Bildung heraus. KI könne ein Hilfsmittel im Dienst menschlicher Verantwortung und Kommunikation bilden, sei aber kein Ersatz für den Menschen. Außerdem bat er darum, die Sprache zu überdenken und die KI nicht zu „vermenschlichen“, ihr also durch Wortschöpfungen Eigenschaften zuzusprechen, die nicht vorhanden seien. 

So könnten Roboter beim Pflegenotstand oder KI in der Medizin bei der Diagnose von Krankheiten hilfreich sein, aber keine menschliche Zuwendung und Freundschaft ersetzen. Blindes Vertrauen sei ebenfalls unangebracht. 

Entscheidungen fällen und Verantwortung tragen könne nur der Mensch, versicherte Elmar Nass. Und Gott sei ebenfalls nicht durch KI ersetzbar: „Gott allein ist Evidenz des Guten.“