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Chronik 1927 - 1970

Teil 1927 – 1970:

“Bereits ab 1922 dürften die Mitglieder der Katholischen Jungmannschaft Gersthofen als Mitglieder beim Generalverband katholischer Gesellenvereine in Köln gemeldet gewesen sein. Dafür sprechen zwei Tatsachen. Einmal ist im Mitgliedsbuch des Steinmetzmeisters Peter Wagner von 1952 als Eintrittsdatum „Gersthofen am 7.12.1922“ vermerkt und zweitens führen die Schematismen der Geistlichkeit des Bistums Augsburg für die Jahre 1926 (Stand 1925) und 1927 (Stand 1926) jeweils unter den Gesellen- und St. Josephsvereinen der Diözese Augsburg auch einen Gesellenverein Gersthofen auf und als dessen Präses werden 1926 Kaplan Thomas Feldmayr und 1927 Kaplan Heribert Lohner genannt. Diese beiden Kapläne waren jeweils zugleich Präses der Jungmannschaft Gersthofen.

Es ist nun gut vorstellbar, dass Gersthofer Gesellen auch Versammlungen der nahegelegenen Augsburger Brudervereine von Zentral und St. Max besuchten, da in Gersthofen das Vereinsleben noch nicht dem eines Gesellenvereins entsprach, vor allem nicht die Bildungskurse, wie sie besonders im Zentralgesellenverein geboten wurden, umfasste. Dort lernten sie Aufgaben, Ziele und das Vereinsleben im Katholischen Gesellenverein besser kennen und schätzen. Nachdem einige von ihnen zu Pfingsten 1927 am 2. Internationalen Gesellentag in Wien teilnehmen konnten, brachten sie den dort erlebten Schwung und die Begeisterung mit heim und gingen mit Eifer daran, auch in Gersthofen einen eigenständigen Gesellenverein ins Leben zu rufen.
Bereits im Juli 1927 veröffentlichte Kaplan Lohner eine Versammlungsanzeige folgenden Inhalts in der Gersthofer Zeitung: „Am Mittwoch, den 13. Juli abends 8 Uhr in den oberen Lokalitäten der Gastwirtschaft von H. Peter Hillenbrand Versammlung zum Zwecke der Gründung eines kath. Gesellenvereines in Gersthofen. H. H. Diözesanpräses Steinhardt wird sprechen. Zu dieser Versammlung sind freundlichst eingeladen die kath. werktätige Jugend Gersthofens, von der sich schon ein Teil zum Beitritt verpflichtet hat, sowie die tit(u)l(ierten) Ehrenmitglieder und Mitglieder der kath. Jungmannschaft und alle Interessenten. Heribert Lohner, Kaplan.“

Mit der Unterstützung der örtlichen Geistlichkeit kam es dann im Oktober 1927 zur Gründung des „Katholischen Gesellenvereins Gersthofen“ mit immerhin 39 Gründungsmitgliedern. Der Mitinitiator der Gründung und bereits seit 6 Jahren Mitglied der Gesellenvereine Zentral und St. Max – Leonhard Kratzer – wurde zum Senior des jungen Vereins gewählt und Pfarrer Dr. Joseph Muser übernahm bereitwillig das Präsesamt. Da Pfarrer Dr. Muser bereits im Folgenden Jahr verstarb, leitete Kaplan Johann Meier vorübergehend den Verein. Am 19. September beteiligte sich der Gesellenverein an der Beisetzung von Pfarrer Muser. Nach seinem Amtsantritt im November 1928 übernahm der neue Pfarrherr Domenikus Rothermel die Leitung des Gesellenvereins. In Pfarrer Rothermel bekam der Gesellenverein Gersthofen einen langjährigen Präses, der zudem von seinen vorherigen Wirkungsorten in Pfaffenhofen an der Ilm und Landsberg, bestens mit den Ideen Adolph Kolpings und dem segensreichen Wirken der Gesellenvereine vertraut war.

Im Frühjahr 1929 führte der Verein in Gersthofen eine öffentliche Sammlung durch, um die nötigen Mittel zur Anschaffung einer eigenen Vereinsfahne aufbringen zu können. Am 18./19. Mai 1929 war es dann soweit. Die im Kloster St. Ursula in Augsburg gefertigte Fahne konnte in feierlicher Form geweiht werden. Bereits am Samstag fand in der Festhalle (umgebaute Scheune der Brauerei Strasser) ein Begrüßungsabend für die geladenen auswärtigen Brudervereine statt. Den Gästen wurde ein reichhaltiges Programm, bestehend aus musikalischen, theatralischen und turnerischen Darbietungen geboten. Das Programm am eigentlichen Festtag gestaltete sich wie folgt: 9 Uhr Aufstellung zum Kirchzug, 9:30 Uhr Festgottesdienst mit Weihe der Fahne durch Pfarrer Rothermel. Anschließend gedachte man am Grabe des verstorbenen Pfarrers Dr. Muser, seines Gründungspräses. Senior Peter Wagner widmete dem viel zu früh Verstorbenen herzliche Dankesworte für sein Wirken für den Verein. Nach der Fahnenübergabe begaben sich die Festteilnehmer zum Mittagstisch. Nachmittags fanden sich die Festgäste zur Nachmittagsandacht, sowie zur Verteilung der Fahnenbänder an den Patenverein Augsburg-Lechhausen und die anderen teilnehmenden Vereine ein. Im anschließenden erneuten Festzug ging es zur Festhalle, wo die weltliche Feier stattfand. Leider brachte das Fest der Vereinskasse ein Defizit von über 500 RM, vermutlich bedingt durch das schlechte Wetter. Auch die Neue Augsburger Zeitung berichtete von dem

Fest: „Gersthofen, 16. Mai 29. Der kath. Gesellenverein Gersthofen hält heute Samstag und morgen Sonntag seine F a h n e n w e i h e ab. Am Vorabend (am heutigen Samstag, abends 8 Uhr) ist großer Empfangsabend in der reichgeschmückten Festhalle der Strasserschen Brauerei, verbunden mit einem reichhaltigen Programm. Sonntag, den 19. Mai, früh 5 Uhr Weckruf, 1/2 9 Uhr Aufstellung zum Kirchenzug, 10 Uhr Festgottesdienst mit Weihe der Fahne, hernach Gedenken am Grabe des verstorbenen Gründungspräses, Hochw. Herr Pfarrer Dr. Muser, anschließend Festzug durch die Straßen der Marktgemeinde; hierauf Fahnenübergabe. Nach dem Festakt gemeinsamer Mittagstisch. Nachmittags ab 4 Uhr Festversammlung mit Festrede, gehalten vom Hochw. Herrn Diözesanpräses, Studienprofessor Ign(atz) Steinhart, anschließend Verteilung der Erinnerungsbänder und Konzert.“

Über das Vereinsleben der folgenden Jahre liegen leider keine näheren Informationen vor, da keine Aufzeichnungen in Form von Protokollbüchern oder einer Chronik erhalten geblieben sind. Nach Aussagen ehemaliger Mitglieder, entfaltete sich eine rege Versammlungstätigkeit, berufliche Bildung und Geselligkeit standen im Vordergrund. Zur Tilgung der Schulden von der Fahnenweihe wurde Theater gespielt und Bälle veranstaltet. Natürlich drückten auch die schweren Zeiten der Weltwirtschaftskrise schwer auf den noch jungen Verein, da dieser sich noch keine Rücklagen hatte bilden können. Trotzdem hatte sich der Gesellenverein in Gersthofen in den wenigen Jahren bis zum Beginn des 3. Reichs soweit innerlich gefestigt, dass er auch dem nunmehrigen gewaltigen politischen Druck standhielt. Ende 1933 bildete man auch in Gersthofen eine Gruppe Altkolping, um erfahrene und bewährte Ehrenmitglieder fester an den Verein zu binden.
Zum 1. Januar 1934 zählte die Gruppe Altkolping Mitglieder und der Gesellenverein der nunmehrigen Kolpingsfamilie Gersthofen 27 Mitglieder. Geschart um den langjährigen Senior Peter Wagner und Präses Pfarrer Rothermel, hielt eine kleine Gruppe fest zusammen, um das Werk Adolph Kolpings auch in Gersthofen am Leben zu erhalten. Jede Versammlung musste zuvor angemeldet werden und wurde zudem von einem Gendarmen überwacht. Eine für den Monat Juli 1935 geplante Versammlung der Kolpingsfamilie Gersthofen wurde vom Landratsamt mit der Begründung abgelehnt, dass hier weltanschauliche Schulung vorliege. Für den Besuch der Waaler Passionsspiele hingegen erteilte Kreisleiter Kellner persönlich die Genehmigung.  Religiöse Veranstaltungen wurden auch bei anderen Kolpingsfamilien eher erlaubt, als Versammlungen mit Vorträgen weltanschaulichen Inhalts, konnten sich die Nationalsozialisten doch denken, dass die Geistlichen nicht ihre nationalsozialistische Weltanschauung verbreiteten. Jede politische Äußerung in den Versammlungen musste somit unterbleiben, gefährdete man doch sonst den Fortbestand des Vereins schlechthin. Doch trotz aller Vorsicht von Pfarrer Rothermel in dieser Beziehung geriet die Kolpingsfamilie Gersthofen Anfang 1939 in die akute Gefahr, aufgelöst  zu werden. Der Vorstand der Kolpingsfamilie Peter Wagner war wegen staatsabträglicher Äußerungen durch Strafbefehl des Amtsgerichts Augsburg vom 22. November 1939 zu 4 Wochen Gefängnisstrafe verurteilt und ihm für dauernd die Zugehörigkeit zur Deutschen Kolpingsfamilie verboten worden. Das Urteil wurde dann gegen bestimmte Auflagen, u. a. Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 120 Reichsmark, auf Bewährung ausgesetzt. Der Kolpingsfamilie Gersthofen selbst wurde für die Zeit vom 26. Januar bis 30. April 1939 jede Versammlungstätigkeit untersagt. Im Falle der weiteren Betätigung von Peter Wagner in der Kolpingsfamilie Gersthofen drohte das Landratsamt mit der völligen Auflösung derselben. Der engagierte Katholik, Kolpingssohn und Gegner des Nationalsozialismus war den lokalen Nazis Gersthofens schon lange ein Dorn im Auge gewesen. Nun sah man eine gute Chance, ihn auszuschalten. In einer Aufstellung politischer Gegnern des Nationalsozialismus in der Gemeinde Gersthofen, die leider kein Datum trägt, ist Peter Wagner neben ehemaligen Kommunisten, Sozialdemokraten, „Asozialen“ und weiteren Katholiken als einer von 12 Gegner des Nationalsozialismus und zugleich als „Vater der Kolpingsfamilie“ aufgeführt. Über die Zwölf heißt es: „Die sämtl(ichen) aufgeführten Personen stehen pol(itisch) nicht auf unserem Boden. Ihre weltanschaul(iche) Einstellung ist dem Nat(ional)-Soz(ialismus) völlig fern, tun auch nichts dergleichen sich anzupassen. Sämtliche stehen unter Kontrolle der Gendarmerie und sind auch der Geh(eimen) St(aats) Pol(izei) gemeldet.“
Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde jede Vereinsarbeit endgültig unmöglich gemacht, viele Mitglieder wurden zum Wehrdienst usw. eingezogen und einige davon sollten ihre Heimat nie wiedersehen. Als der Verein 1946 als Kolpingsfamilie wiedergegründet wurde, existierte nurmehr die Vereinsfahne, alles andere war verlorengegangen.
Am 11. März 1946 informierte Pfarrer Domenikus Rothermel, Präses des Katholischen Gesellenvereins bzw. der Kolpingsfamilie Gersthofen, auf Anfrage den damaligen Diözesanpräses Franz S. Klaus über den Stand der Wiederbelebung der Kolpingsfamilie in Gersthofen. Dabei gab er sich selbst als Präses und den Steinmetzmeister Peter Wagner als Altsenior an. Ein Senior habe die KF Gersthofen im Moment nicht, da die Kolpinggruppe z. Zt. nur aus einem einzigen Mitglied bestand. Bereits in den Sommermonaten 1945 hatte Kaplan Pankratz Schmid eine Gruppe von ca. 20 bis 25 jungen Gersthofern um sich gesammelt und es waren wöchentliche Gruppenstunden in der Turmstube abgehalten worden. In diesen wurde sowohl der Gedanke des Gebetes gepflegt, als auch über aktuelle Tagesfragen diskutiert. Zum 30. Juli 1946 wurde Kaplan Pankraz Schmid auch offiziell vom Bischöflichen Ordinariat Augsburg als Präses der KF Gersthofen bestätigt und im August 1946 gehörte er zu den Teilnehmern der 1. Diözesanpräsideskonferenz nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Augsburg.
Im Dezember 1946 wurde in einer provisorischen Mitgliederversammlung mit 35 Teilnehmern im Saal des Hauses der Jugend eine neue Vorstandschaft gewählt, aus der das Gründungsmitglied Leonhard Kratzer als Altsenior der KF Gersthofen hervorging (1946 bis 1958) und zum ersten Nachkriegssenior wurde Josef Daniel gewählt, der dieses Amt bis 1952 innehatte. In der Festschrift von 1977 hieß es zum Wiederbeginn im Jahre 1946: „Die Fahne, die nur mit List gerettet werden konnte, war der einzig sichtbare Überrest, um den sich im Jahre 1946 wieder Alt und Jung für ihre Ideen und Zielvorstellungen scharen konnten… Wenn die Niederschriften und Protokolle zum chronologischen Beweis herangezogen werden, so fällt immer wieder ins Auge, wie vordringlich den Mitgliedern der Gemeinsinn und der Einsatz für Gemeinschaftsanliegen waren…“
Bereits 1946 spielten die Gersthofer Kolpingssöhne auch wieder Theater und zwar das Stück „Schwergeprüft“. Damit wurde an die Laientheatertraditionen aus der Zeit der Weimarer Republik angeknüpft. Im folgenden Jahr folgte die Aufführung des Theaters „Der Außenseiter“, 1948 das Theater „Der schwarze Peter“ und 1950 „Als er wiederkam“.
Nachdem die ersten Zusammenkünfte der Kolpingsfamilie Gersthofen im Kindergarten stattgefunden hatten, machten sich die Gersthofer Kolpingssöhne im Frühjahr 1947 an das Herrichten der Räume im sogenannten Pfarrstadl, um einen geeigneten Raum für Zusammenkünfte zu schaffen. In diesem fanden nach Fertigstellung wöchentliche Gruppenabende statt. Von Beginn an gelang es der Kolpingsfamilie Gersthofen eine große Zahl junger Mitglieder zu gewinnen, was für eine sehr gute Nachwuchsarbeit spricht. Alleine zum Schutzfest des hl. Joseph konnten 1947 36 Mitglieder neu in die Gruppe Kolping aufgenommen werden, womit sich die Mitgliederzahl dieser Gruppe auf 82 erhöhte. In der Gruppe Altkolping waren hingegen 11 Mitglieder. Mit den 82 Mitgliedern in der Gruppe Kolping zählte die KF Gersthofen zu diesem Zeitpunkt die meisten Mitglieder der Gruppe Kolping innerhalb des ganzen Diözesanverbandes Augsburg. Allerdings insgesamt hatten einige Brudervereine (z. B. Kempten, Augsburg-Zentral und Augsburg-Lechhausen) mehr Mitglieder, da sie bedeutend stärkere Altkolpinggruppen hatten.
Nachdem Kaplan Pankraz Schmid bereits im Mai 1947 nach Kempten versetzt worden war, lag das Präsesamt kurze Zeit in den Händen von Kaplan Melchior Hops, auf den wiederum ab August 1947 Präses Kaplan Josef Waibel folgte. 1948 wurde dem Präses mit Wagnermeister Josef Müller außerdem ein Vizepräses aus den Reihen der Mitglieder zur Seite gestellt.
Während die Gruppenabende des Jahres 1948 laut Festschrift im Schnitt von der Hälfte der Mitglieder besucht wurden, beteiligten sich die Kolpingssöhne nahezu geschlossen beim Sakramentenempfang am Kolpinggedenktag und zum Schutzfest des hl. Joseph. Im Jahre 1948 veranstaltete die Gersthofer Kolpingsfamilie gleich zwei Faschingsbälle, einen öffentlichen Ball in der Turnhalle und eine geschlossene Veranstaltung im Gasthaus Hillebrand. Zuvor war 1947 ein Erntetanz abgehalten worden. Ebenfalls bereits 1947 war eine zweitägige Busfahrt nach Füssen unternommen worden und im folgenden Jahr dann sogar eine 3-Tages-Fahrt nach Ettal, Garmisch und nach Oberammergau zum Besuch der Passionsspiele. 1954 führte eine Fahrt ins Salzkammergut und 1956 ein Tagesausflug mit 75 Teilnehmern nach Bregenz.
Nachdem Vertreter der KF Gersthofen bereits am 12. Oktober 1947 an einem Bezirkstreffen der Kolpingsfamilien des Bezirkes Augsburg-Stadt und –Land im Antonius-Kasino teilgenommen hatten, fuhr die stattliche Zahl von 14 Mitgliedern (Josef Golling, Ferdinand Hochstatter, Walter Kaps, Bernhard Burlefinger, Theo Büchs, Josef Höckmeier, Josef Scherer, Johann Abmeier, Werner Rehberger, Wiki Dermühl, Fritz Pschorr, Wilhelm Hillebrand, Anton Eichner, Josef Grasshei) am 24./25. September 1949 nach Kempten, um am 90-jährigen Stiftungsfest des Kemptener Brudervereins teilnehmen zu können.
Am 5. September 1949 informierte der damalige Diözesanpräses Dr. Joseph Zimmermann das Bischöfliche Ordinariat darüber, dass Kaplan Waibel die Kolpingsfamilie nicht mehr weiterführen wolle. Deshalb bat Diözesanpräses Dr. Zimmermann darum, Kaplan Waibel vom Amt des Präses der Kolpingsfamilie Gersthofen zu entheben und dafür Kaplan Martin Herz zu seinem Nachfolger zu ernennen. Der Brief endete mit dem Wunsch: „Es wäre sehr zu wünschen, wenn Kaplan Herz, der die Gesellen sehr zu fassen weiß, länger in Gersthofen bleiben könnte.“
Kaplan Martin Herz wurde dann auch im Herbst als Präses der KF Gersthofen bestätigt, der Wunsch auf langes Verweilen in Gersthofen ging allerdings nicht in Erfüllung. Nur ein reichliches Jahr wirkte Kaplan Herz als Präses in der Gersthofer Kolpingsfamilie, bis er Ende Januar 1951 als Stadtkaplan nach Günzburg versetzt wurde.
Inzwischen waren unter Kaplan Waibel die Mitgliederzahlen der Kolpingsfamilie Gersthofen wieder gesunken gewesen, so dass dem Verein Anfang 1950 nur noch 37 Mitglieder in der Gruppe Kolping und 20 in der Gruppe Altkolping angehörten. Bereits zum Schutzfest des hl. Joseph konnten aber wieder 8 Neuaufnahmen in die Gruppe Kolping und 1 in die Gruppe Altkolping erfolgen.
Ihr 25-jähriges Stiftungsfest beging die Kolpingsfamilie Gersthofen im Jahr 1952 nur im bescheidenen Rahmen, innerhalb des Vereins. Anfang 1951 übernahm Kaplan Georg Beis die Leitung der Kolpingsfamilie Gersthofen, der spätere Domkapitular von Augsburg. Mit beispielhaftem Elan brachte Präses Beis das Projekt eines Jugendheimneubaues voran und fand dabei bei der Kolpingsfamilie tatkräftige Unterstützung. Die Einweihung des Jugendheimes erfolgte 1955. Zu diesem Zeitpunkt war Kaplan Beis allerdings bereits als Benefiziat nach Günzburg versetzt worden und sein Nachfolger Kaplan Anton Frick war Präses der KF Gersthofen.
1955 löste auch Franz Gai Senior Hans Müller auf seinem Posten ab, der das Amt seit

 1953 inne gehabt hatte. Als Kaplan Anton Frick Gersthofen verließ, übernahm Pfarrer Robert Dörflinger persönlich für die nächsten 12 Jahre das Präsesamt in der Kolpingsfamilie Gersthofen. Als Senioren standen in diesen 12 Jahren an seiner Seite: Franz Gai (1955), Werner Rehberger (1956/57, dieser war von 1957 bis 1961 auch Diözesansenior), Rudolf Drexler und Sebastian Schuhmacher (1958), Ernst Kirchgeßner (1959/60), Alfred Steiner (1961), Peter Smolek (1962/63), Gerhard Schmid (1964/65), Lothar Leinfelder (1966) und Siegfried Deffner (1967/68).
1956 wurden von der KF Gersthofen regelmäßige Rundschreiben an die Mitglieder eingeführt.
Im gleichen Jahr beteiligten sich Gersthofer Kolpingssöhne mit einer Bannerabordnung um Senior Werner

Rehberger am 77. Katholikentag in Köln, an der Sternfahrt der Kolpingsfamilien des Diözesanverbandes Augsburg nach Pfronten und im folgenden Jahr im August 1957 an der Sternfahrt nach Weiler. Während Augsburger Kolpingssöhne das nachmittägliche Hindernisfahren auf dem Sportplatz Weiler als Sieger beendeten, gewannen die Kolpingssöhne von Gersthofen das Fußballspiel mit 9 zu 1 gegen die Gastgeber. Bereits im Vorjahr hatten die Fußballspieler der KF Gersthofen in Pfronten ein Fußballvergleichsspiel gegen den Bruderverein von Augsburg-Lechhausen mit 3 zu 1 gewonnen. Auch in den folgenden Jahren spielten die Gersthofer Kolpingssöhne weiter begeistert Fußball und gingen häufig als Sieger aus den Spielen hervor. So gewannen die Gersthofer 1961 ein Fußballturnier, welches zusammen mit anderen Kolping- und KJG-Mannschaften ausgetragen worden war. Auch zwei Fußballvergleichsspiele gegen die Kolpingssöhne von Pöttmes in den Jahren 1962 und 1963 konnten die Kolpingfußballer von Gersthofen jeweils mit 4 zu 1 siegreich für sich gestalten. Ebenfalls 1963 hielt die KF Gersthofen einen Skikurs für seine Mitglieder im Lechtal ab.
Als die Kolpingsfamilie Schwabmünchen im Oktober 1957 ihr 75-jähriges Bestehen feiern konnte, beteiligten sich neben Vertretern zahlreicher anderer Kolpingsfamilien auch Mitglieder der KF Gersthofen an den Feierlichkeiten. Der Gersthofer Präses Pfarrer Robert Dörflinger hatte als Einleitung vom 2. bis 4. Oktober jeweils um 20 Uhr Predigten in der Stadtpfarrkirche Schwabmünchen gehalten. Der Festgottesdienst mit Predigt und Weihe des neuen Banners des Jubelvereins am Sonntag, den 6. Oktober, wurde von Diözesanpräses Maximilian Köck gehalten.
Auch die Kolpingsfamilie Gersthofen konnte zum Kolpinggedenktag am 8. Dezember 1957 auf ihre 30-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Weitere Höhepunkte des Vereinsjahres 1957 waren die Ausgestaltung des Jugendheimes, der Faschingsball, der erstmalig bei Hillebrand und nicht mehr in der Turnhalle stattfand, sowie die Wahl des bisherigen Gersthofer Seniors Werner Rehberger zum neuen Diözesansenior im November 1961.

1958 legte Leonhard Katzer nach 12 Jahren das Amt des Altseniors nieder und Altsenior Walter Kaps wurde für weitere 13 Jahre sein Nachfolger. Im gleichen Jahr übernahm Kaplan Wirth als Vizepräses einen Teil der Arbeit in der Kolpingsfamilie Gersthofen. Bei der Gründung einer weiteren Kolpingsfamilie im Bezirksverband Augsburg-Stadt und -Land 1958 in Biberbach stand die Kolpingsfamilie von Gersthofen Pate.
1957 waren erneut zwei Theaterstücke durch die Kolpingsfamilie Gersthofen auf die Bühne gebracht worden, „Das Überlinger Münsterspiel“ und das Stück „Mitten im Leben“. 1958 folgte die Aufführung von „Die tolle Kathrin“, 1959 „Wenn Du noch eine Mutter hast“, 1960 das Theater „Kirsch und Kern“ und 1961 Theater „Der Wahlkampf“. Nach der Aufführung des letzteren Stückes wurde Kritik an den zu hohen Ausgaben für das Theater geführt.
Mit der Wiederherstellung der Minoritenkirche in Köln wurden 1959 die in der Zeit des Nationalsozialismus durch den damaligen Generalpräses Msgr. Theodor Hürth so geförderten Wallfahrten zur Grabeskirche Kolpings wieder aufgenommen. Als erste Kolpingsfamilie des Diözesanverbandes Augsburg unternahm die KF Gersthofen im Juni 1959 mit 47 Teilnehmern eine solche Wallfahrt zur Minoritenkirche in Köln. Zuvor hatte die Kolpingsfamilie in den 50er Jahren regelmäßig für den Wiederaufbau der Minoritenkirche gespendet. Am 18. November 1960 eröffnete die Kolpingsfamilie  Gersthofen auch die Gebetskette der Kolpingsfamilien des DV Augsburg um die Seligsprechung Adolph Kolpings. Bereits 1958 hatten die Kolpingssöhne von Gersthofen auch für die Priesterhilfe für Spätberufene der Kolpingsfamilien des DV Augsburg gespendet. Im Jahr 1959 veranstaltete die Kolpingsfamilie Gersthofen außerdem eine Christopherusfahrt zur Autobahnkirche Adelsried mit mehr als 70 Fahrzeugen und 200 Personen, außerdem wurde erstmalig der Lektorendienst in Adelsried durch Gersthofer Kolpingssöhne übernommen und auch in den folgenden Jahren übernahm die KF Gersthofen wiederholt die Gottesdienstgestaltung in der Autobahnkapelle Adelsried.
Neben der Wallfahrt zur Minoritenkirche nach Köln war eine Ausstellung zum Thema „Handwerk und Hobby“ am Kolpinggedenktag ein weiterer Höhepunkt des Vereinsjahres 1959. Im folgenden Jahr stellten eine Friedensfahrt nach Zusmarshausen und die Abhaltung eines Eheseminar wichtige Meilensteine in der Vereinsgeschichte dar.
Im Januar 1960 würdigte das Kolpingsblatt in seiner Rubrik „Das Kolpingsblatt gratuliert“ ein langjähriges Mitglied der KF Gersthofen: „80 Jahre wurde auch Franz Jehle in Gersthofen. Seit 63 Jahren ist er Mitglied der Kolpingsfamilie.“ Besonders aktiv gestaltete sich das Vereinsleben in der Kolpingsfamilie Gersthofen 1961 mit der Indien-Aktion der KF Gersthofen mit den Schwäbischen Bläserbuben „Die auf Steinen schlafen“, der Errichtung des Gipfelkreuzes auf der Mädelegabel und dem Besuch von Bischof Dr.

Raymond aus Indien, der das Gipfelkreuz weihte. Über diesen Besuch des Indischen Bischofs in Gersthofen berichtete das Kolpingsblatt ausführlich in seiner Septemberausgabe.
Bischof Dr. Raymond hatte bei seinem Besuch in Gersthofen auch eine Versammlung der Kolpingsfamilie Gersthofen besucht, wobei er eine Ansprache an die Kolpingssöhne hielt und betonte, dass er das Programm Adolph Kolpings kennen lernen wolle. Anschließend erklärte Diözesansenior Werner Rehberger dem Gast, das man zur bleibenden Erinnerung an den Gast für das geplante Gipfelkreuz auf der Mädelegabel den Wahlspruch des Bischofs „Im Kreuz ist Heil“ gewählt habe. Anschließend geleiteten die Kolpingmitglieder, Fackelträger und zahlreiche weitere Gläubige Dr. Raymond zum Kirchplatz, wo dieser in einer kurzen Feierstunde vor der Kirche das Gipfelkreuz für die Mädelegabel weihte. Die Mädelegabel ist mit 2645 Metern der höchste Berg des Allgäu und auf diesem errichteten die Kolpingssöhne von Gersthofen dann das 5 Meter hohe Gipfelkreuz. Mit 10 Zentnern Material mussten die 40 Kolpingssöhne 150 km Entfernung und 2000 m Höhe überwinden. „Als das Werk vollendet war, feierten sie als erste mit ihrem Kaplan unter dem Kreuz das heilige Opfer.“
Zur Seniorenkonferenz am 11./12. November 1961 in Augsburg trat Werner Rehberger von der KF Gersthofen als Diözesansenior zurück und Hans Spatz von Schwabmünchen wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Mit Peter Smolek als stellvertretendem Diözesansenior stellte die KF Gersthofen aber weiterhin ein Mitglied der Diözesanleitung. Nachdem 1960 ein Eheseminar von der KF Gersthofen abgehalten worden war, veranstaltete der Verein 1962 ein öffentliches politisches Seminar mit namhaften Referenten, das über 5 Abende lief. Durch die Presse wurde regelmäßig zu diesen Abenden eingeladen, zusätzlich betrieben die Kolpingssöhne persönliche Werbung. Zwischen 40 und 50 Personen nahmen jeweils teil, obwohl ein Unkostenbeitrag verlangt wurde. Die Themen der einzelnen Abende waren: „Regierung und Opposition“, „Kommt das vereinte Europa zustande?“, „Was will eigentlich der Kommunismus?“, „Die Französische Revolution und ihre Bedeutung für die heutige Zeit“ sowie „Freies Berlin – oder freie Stadt Berlin?“. 1963 folgte eine politische Vortragsreihe zum Thema „Diskussion 63“ und bei einem Quiz für junge Staatsbürger des Landkreises belegte die Kolpingsfamilie Gersthofen den 1. Platz. In einem der Vorträge des politischen Seminars 1962 war die geteilte Stadt Berlin Thema gewesen, diese wurde ebenfalls 1962 von einigen Gersthofer Kolpingssöhnen bei einem einwöchigen Aufenthalt besichtigt. Im Jahr 1965 wurde eine Parisreise mit erheblichen Zuschüssen aus Mitteln des deutsch-französischen Jugendwerkes unternommen.
Aber auch Frohsinn, Scherz und Unterhaltung kamen innerhalb des Vereinslebens weiter zu ihrem Recht. Das Jahr 1961 sah erstmalig den Kolping-Nikolaus in Gersthofen und 1963 fand der Bunte Abend „Lach-Chemie“ mit der KJG, zu dem die Straßenkehrer auftraten, guten Anklang. Höhepunkt des Vereinsjahres 1967 waren ohne Zweifel die Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kolpingsfamilie

Gersthofen mit Aufführung des Passionsspiels. Zu der Jubiläumsveranstaltung konnte die stattliche Zahl von 40 Mitgliedern neu in die Reihen der Kolpingsfamilie aufgenommen werden. 1967 beteiligten sich die Kolpingfußballer an den Kolping-Fußballbezirksmeisterschaften. Ein Spiel am 14. Juli 1967 gegen die Mannschaft der KF Fischach auf dem Fischacher Sportplatz endete 3 zu 1 für die Gäste aus Gersthofen. Im Endausscheid unterlag auch die KF Diedorf gegen die KF Gersthofen mit 1 zu 2, so dass die Kolpingsfamilie Gersthofen Bezirksmeister wurde. Im Spiel um den Diözesan-Fußballpokal unterlagen die Gersthofer allerdings dann der Fußballmannschaft der KF Blonhofen-Aufkirch mit 5 zu 2 auf dem Sportplatz in Klosterlechfeld. 1969 errangen die Kolpingfußballer von Gersthofen dann die Fußball-Stadtmeisterschaft. Am 6. Bundessportfest der DJK 1969 beteiligten sich auch Mitglieder der Kolpingsfamilien aus den Diözesen Hildesheim, Augsburg, Regensburg und München, darunter auch die Kolpingsfamilie Gersthofen am Fußballsonderturnier. Die Gersthofer Fußballer unterlagen allerdings dem Studienseminar St. Augustin in Weiden mit 6 zu 1. Ebenfalls für 1969 erwähnte die Festschrift von 1987 erstmalig die Abhaltung einer Skigymnastik und 1970 nahmen Mitglieder der KF Gersthofen an der 1. Kolping-Skimeisterschaft in Thalkirchdorf teil.
Das Jahr 1968 brachte nicht nur den Übergang zum 14-tägigen Veranstaltungsrhythmus, sondern es gelang auch nicht, einen neuen Senior zu finden, so dass die KF Gersthofen kommissarisch von einem Team geleitet wurde. Im folgenden Jahr stellte sich Karl-Heinz Wagner der Wahl zum Senior. Im Herbst 1969 wurde Pfarrer Robert Dörflinger für seine Verdienste um das Werk Adolph Kolpings mit der Ehrennadeln des Kolpingwerkes geehrt. Pfarrer Dörflinger hatte im Jahr 1968 die neue Pfarrei St. Jakobus in Gersthofen übernommen und sein Nachfolger als Pfarrer der Pfarrkirche Maria wurde Manfred Trettenbach, der auch das Präsesamt in der Kolpingsfamilie übernahm. Unter der Leitung des neuen Präses Pfarrer Trettenbach wirkte die Kolpingsfamilie Gersthofen verstärkt überparteilich und der Kolpinggedenktag wurde künftig abwechselnd in beiden Pfarrkirchen begangen.

Anlässlich der Stadterhebungsfeierlichkeiten Gersthofens Ende Juni 1969 führte die Kolpingsfamilie Gersthofen in der Pfarrkirche Maria das Theater „Jedermann“ auf. Für dieses Spiel waren 16 männliche und 7 weibliche Rollen zu besetzen gewesen und die Spielleitung lag damals in den Händen des Münchners Otto Schrödl. Ebenfalls seit 1969 wurde das Kolpingblatt mit der Post zugestellt und die Kolpingsfamilie Gersthofen hatte die Organisation des sozialen Seminars der Diözese Augsburg übernommen.
Ein 1970 von der Kolpingsfamilie Gersthofen organisiertes Torwandschießen erbrachte rund 2.000 DM für das geplante Gersthofer Hallenbad.”
Dieser vorstehende Artikel ist der Chronik „Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg – Geschichte 1852-1970“ entnommen. Bilder wurden von Mitgliedern der KF Gersthofen zur Verfügung gestellt.
 

Ansprechperson

Patricia Steiner

p.r.steiner@t-online.de

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