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Kolpingsfamilie

Friedenfels

Portrait Adolf Kolping
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Bezirksversammlung am 12. November 2019

veröffentlicht am

Acht Bannerabordnungen aus den Ortsverbänden des Kolping-Bezirksverbandes Tirschenreuth umrahmten den Hochaltar bei einem feierlichen Gottesdienst. Bei der Bezirksversammlung lauschten die Besucher im Anschluss einem Vortrag mit deutlichen Worten.

Zusammen mit den Bannern zogen Bezirkspräses Pfarrer Martin Besold aus Erbendorf, Ortspräses Pfarrer Joseph und der gebürtige Friedenfelser Pfarrer Matthias Fischer unter Orgelklängen in die Pfarrkirche „Maria Immaculata“ ein.
„Es ist schön, dass sich die Kolpingsfamilien mit dem Priestersein und dem priesterlichen Leben auseinandersetzen und beschäftigen“, meinte Bezirkspräses Pfarrer Besold zu Beginn des Gottesdienstes. In einer kurzen Predigt erinnerte er zudem an Adolph Kolping und lobte dessen soziales Engagement.
Im Vereinslokal „Goldener Engel“ hieß 1. Vorsitzender Reiner Gärtner – in Vertretung für die erkrankte Bezirksvorsitzende Martina Mark –  eine beachtliche Zahl an interessierten Besuchern willkommen. Gekommen waren sie, um dem angekündigten Vortrag des Treuchtlinger Pfarrers Matthias Fischer zum Thema „Warum heute Priester werden und sein? Glaubens- und Lebenserfahrung mit Kirche und Christus“ zu lauschen.

Ihr Kommen brauchten weder Einheimische noch Auswärtige bereuen. Der redegewandte Geistliche hatte für alle Fragen ein offenes Ohr. Auch nahm Pfarrer Matthias Fischer kein Blatt vor den Mund und prangerte an, was ihm derzeit an „seiner Kirche“ nicht gefällt und was sich darum herum abspielt. Pfarrer Fischer wörtlich: „Ich bedauere die Finanzaffäre der Diözese Limburg. Ich schüttle den Kopf über den Finanzskandal der Diözese Eichstätt.“
Fischer weiter: „Ich bin wütend auf Mitbrüder, die über Jahre, gar Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Mir stockt der Atem, wenn ich lese und in den Nachrichten erfahre, dass selbst Ordensleute – vor allem Schwestern – in ihren Klöstern von Priestern im Beichtstuhl missbraucht wurden. Ich bin entsetzt über die „Sprachlosigkeit“ mancher Bischöfe zum Thema „Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare“, über Bischöfe, die sich anscheinend keine Entscheidung fällen trauen, weil sie in der eigenen Diözese zu großen Widerspruch befürchten. Über Bischöfe und Priester, die am liebsten wieder vor das Konzil zurück wollen und die Messe in lateinischer Sprache und mit Rücken zum Volk feiern würden.“
Er könnte „explodieren“, so Matthias Fischer, „wenn ich dann wieder von einer Gruppe der „Wahren Katholiken“ anonyme Briefe erhalte, in denen sie mir vorwerfen, ich sei nicht katholisch genug und ich solle Buße tun, damit ich von Gott nicht verworfen werde“.
„Und trotzdem bin ich überzeugt von der Botschaft, die ich verkünde, von dem, was ich tue – nicht als Herr des Glaubens, sondern als Diener der Freude – wie ich es mir in meinem Primizspruch aus dem Korintherbrief ausgesucht habe“, sagte Pfarrer Matthias Fischer. Er sprach auch über seine Kinder- und Jugendzeit. „Wenn ich auf meinen eigenen Weg schaue, dann war der von Kindesbeinen an geprägt von der Nähe zur Kirche. Ob als Ministrant, als Mesner und im Kirchenchor. Meine Friedenfelser Pfarrer – Pfarrer Dotter, Pfarrer Meier und Pfarrer Haußmann – waren keine Fremden für mich und unsere Familie. Und so ist der Wunsch schon früh da gewesen, diesen Beruf einzuschlagen. Besser gesagt, dieser Berufung nachzugehen“, erzählte der Geistliche.
Schon als Kind habe er zu Hause „Kirche gespielt“ –  ob das heute noch Kinder tun, fragte er die Versammlung. Durch seine Jugendzeit waren die Voraussetzungen gegeben, diesen Berufungsweg einzuschlagen, meinte Pfarrer Fischer und betonte im Anschluss sofort: „Ich würde auch heute jederzeit wieder diesen Weg gehen.“
Mit bemerkenswerten Worten beendete er den Vortragsabend: „Ich komme zum letzten Punkt, zum eigentlichen Hauptteil dieses Vortrags. Warum also heute noch Priester werden?“ Pfarrer Matthias Fischer: „Weil es für mich, auch fast 22 Jahre nach meiner Weihe, keinen anderen Beruf gibt, bei dem ich eine solche Spannbreite an Begegnungen mit Menschen in verschiedenen Situationen des Lebens begleiten darf und ihnen den Glauben als Stütze und Halt anbieten kann.“

Langer Applaus war das deutliche Zeichen von Zustimmung und Einklang mit dem Publikum. Kolpingvorsitzender Reiner Gärtner überreichte dem Priester abschließend eine kleine Stärkung (regionale Lebensmittel aus der früheren Heimat) und dankte Pfarrer Matthias Fischer für sein Kommen und sein beeindruckendes Glaubenszeugnis.