Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung

Der Freitag - Von Seen, WÀldern und Höhen

Der Tag beginnt ruhig und feierlich – genau so, wie man eine Friedenswanderung beginnen sollte.

In der prĂ€chtigen Stadtpfarrkirche St. Peter versammeln wir uns zur Morgenandacht. Die Kirche mit ihren zwei TĂŒrmen ist ein echter Hingucker.

Innen wird es dann richtig barock: goldene Ornamente, mĂ€chtige SĂ€ulen und ein Altar, der einen staunen lĂ€sst. Kein Wunder – der stammt aus der Werkstatt von Dominikus Zimmermann, dem Erbauer der weltberĂŒhmten Wieskirche.

Ein Moment der Besinnung und des Innehaltens, bevor es hinausgeht ins GrĂŒne.

Kurz nach dem Start an der Kirche fĂŒhrt die Route gleich zu einem der schönsten PlĂ€tze Bad Waldsees: dem Stadtsee. Wir umrunden das Wasser etwa zur HĂ€lfte – gemĂŒtlich, mit vielen Blickachsen auf Altstadt, UferbĂ€ume und Wasservögel.

Der Weg ist Teil des „Stadtsee Aktiv-Wegs“ – einem Rundkurs mit Info- und Bewegungsstationen. Wer möchte, kann an einer der Stationen die Schultern kreisen lassen oder sich am Balancierbalken versuchen. Aber auch ohne sportliche Einlage ist es ein Genuss: Die Morgensonne spiegelt sich auf dem Wasser, der Blick schweift zurĂŒck zu den TĂŒrmen von St. Peter.

Ein idealer Einstieg: ruhig, stimmungsvoll, und mitten im Herzen der Stadt.

Nach etwa 45 Minuten erreichen wir das weitlĂ€ufige GelĂ€nde des FĂŒrstlichen Golf-Resorts Bad Waldsee – eine kurze Verschnaufpause in außergewöhnlicher Umgebung.

Im Clubhaus gibt es Erfrischungen, Toiletten und SchattenplĂ€tze – ein willkommener Zwischenstopp.

Das Resort selbst gehört zur FĂŒrstlichen Familie Waldburg-Wolfegg-Waldsee und ist mit seinen 45 Löchern eines der grĂ¶ĂŸten Golfanlagen SĂŒddeutschlands.

Zwei MeisterschaftsplĂ€tze – der „New Course“ und der landschaftlich besonders reizvolle „Old Course“ – sowie ein 9-Loch-Kurzplatz liegen eingebettet in die sanften HĂŒgel der oberschwĂ€bischen Landschaft. Die gepflegte Anlage, Teiche, alte BĂ€ume und weite Fairways verleihen der Szenerie eine fast parkartige Ruhe.

Auch wenn heute nicht abgeschlagen wird: Die Umgebung beeindruckt – viel Weite und ein gepflegtes GrĂŒn machen die Pause zu einem kleinen Erlebnis.

 

Nach der Pause geht es bergauf – auf die sanfte Kuppe der EndmorĂ€ne am Petersberg, einem Relikt aus der letzten Eiszeit. Auf dem Weg nach oben wird man immer wieder belohnt mit Blicken zurĂŒck auf die Waldseer Skyline.

Die TĂŒrme von St. Peter, das Rathaus und die DĂ€cher der Altstadt zeichnen sich markant vom Horizont ab – besonders bei klarer Sicht ist das ein echter Postkartenblick. Auch der Stadtsee glitzert noch in der Ferne.

Nach dem letzten StĂŒck durch den Wald öffnet sich plötzlich die Landschaft: Die Route fĂŒhrt hinunter ins breite Schwemmland der Haisterkircher Rinne – ein fruchtbares Tal, das in der letzten Eiszeit durch Schmelzwasser geformt wurde. Die weite Wiesenlandschaft, der offene Himmel und der Wechsel der Vegetation wirken fast wie ein Szenenwechsel.

Linkerhand taucht bald die Spitzenkapelle auf – schlicht, klein, aber mit markanter Silhouette. Viele werfen einen letzten Blick zurĂŒck auf den Weg, der hinter ihnen liegt.

Dann ist es geschafft: Haisterkirch ist erreicht. In der Sporthalle wartet die verdiente Mittagspause – mit warmem Essen, GetrĂ€nken, und Zeit zum Verschnaufen und Austauschen.

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf zur Sebastianskapelle. Der Weg fĂŒhrt durch den Wald, begleitet vom 15‑Stationen‑Kreuzweg, der Schritt fĂŒr Schritt hinauffĂŒhrt. Es ist ein ruhiger, schattiger Anstieg – gut zu bewĂ€ltigen, aber mit spiritueller Tiefe.

Wer den Weg nicht gut zu Fuß gehen kann, wird mit einem Van nach oben gebracht. FĂŒr die meisten aber gehört der Aufstieg ganz selbstverstĂ€ndlich dazu.
Die Sebastianskapelle liegt verborgen im Wald. Ihr Ursprung reicht bis ins 15. Jahrhundert zurĂŒck, der heutige Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde 2011 liebevoll restauriert. Innen beeindruckt das große DeckengemĂ€lde von Gebhard Fugel, das den heiligen Sebastian mit der ihn pflegenden Irene zeigt – mit dem Gesicht seiner Tochter.

Jedes Jahr um den 20. Januar, dem Sebastianstag, pilgern die sogenannten „Bastiane-Pilger“ zur Kapelle. Es ist eine tief verwurzelte Tradition, begleitet von Gesang, Stille und Gemeinschaft – getragen von vielen Generationen.

Auch wir versammeln uns hier – um 14:30 Uhr – zum geistlichen Impuls. Inmitten von BĂ€umen und Geschichten entsteht ein Moment, der bleibt.

Die letzten zwei Kilometer fĂŒhren ĂŒber angenehm schattige Waldwege und sonnige FeldrĂ€nder – ein sanfter Anstieg mit Endspurt auf die Spitze. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir  die Grabener Höhe, mit 754 Metern der höchste Punkt der Gemeinde Bad Waldsee.

Oben wartet nicht nur ein weiter Blick ĂŒber Oberschwaben, sondern auch eine kleine Belohnung: Es gibt gekĂŒhlte GetrĂ€nke zur StĂ€rkung nach dem Aufstieg. Wer möchte, lĂ€sst den Blick noch eine Weile schweifen – bei klarer Sicht reicht er bis zu den Alpen.

Der Samstag - Zwischen Himmel und Moor

 

Auch der zweite Tag unserer Friedenswanderung beginnt dort, wo gestern alles seinen Anfang nahm: in der Stadtpfarrkirche St. Peter in Bad Waldsee. Wieder versammeln wir uns zur Morgenandacht – ein vertrauter Ort, der uns mit seiner barocken Pracht empfĂ€ngt.

Die goldenen Ornamente, die mĂ€chtigen SĂ€ulen und der kunstvolle Altar wirken heute fast noch eindrucksvoller – vielleicht, weil wir sie nun mit neuen Augen sehen.

Ein Moment der Sammlung, bevor wir erneut aufbrechen – hinaus in die Natur, hinein in einen neuen Tag voller Begegnungen und neuer Zuversicht.

Nach der Andacht geht’s gemeinsam los. Nur wenige Schritte von der Stadtpfarrkirche entfernt liegt die Hofgartenklinik – Deine Rehaklinik fĂŒr Knie, HĂŒfte & Schulter.

Sie liegt in einem gepflegten Park, der nahtlos in das GelĂ€nde von Schloss Waldsee ĂŒbergeht. Das Schloss Waldsee – ein ehemaliges Wasserschloss – ist heute im Besitz der FĂŒrstlichen Familie Waldburg-Wolfegg. Es ist zwar nicht öffentlich zugĂ€nglich, aber von außen sehr sehenswert. Besonders das barocke Torhaus und der gepflegte Innenhof zeugen von der Geschichte und WĂŒrde des Hauses.

Direkt daneben liegt der Schlosssee, eingebettet in den idyllischen Schlosspark. Das Wasser glitzert zwischen den Zweigen, ein lauschiger Ort, der den passenden Rahmen fĂŒr den Auftakt einer Friedenswanderung bietet.

Nach etwa drei Kilometern erreichen wir den Wanderparkplatz am Ried – eine gute Gelegenheit fĂŒr eine erste Pause.

RucksÀcke öffnen sich, mitgebrachte Snacks werden geteilt, Stimmen klingen fröhlich durcheinander.

Ein idealer Ort, um neue Energie zu tanken – denn jetzt beginnt der landschaftlich spannendste Teil der Wanderung.

Hinter dem Wanderparkplatz beginnt ein echter Tapetenwechsel: Das Steinacher Ried breitet sich aus – flach, weit und voller stiller Schönheit. Moorwiesen, kleine GrĂ€ben, ein schmaler Weg – hier fĂŒhlt sich alles ein bisschen entrĂŒckt an.

Was viele nicht wissen: Vor rund 18.000 Jahren lag hier ein riesiger Gletschersee. SpĂ€ter wuchs Torf ĂŒber Jahrtausende – und bis ins 20. Jahrhundert wurde er hier in großem Stil gestochen. Im Sommer wuselten hunderte Torfstecher durchs Moor, rund 500 TrockenhĂŒtten standen in der Landschaft. Heute ist davon nichts mehr zu sehen – und genau das ist gut so.

Das Ried steht inzwischen unter Schutz. Es ist RĂŒckzugsort fĂŒr seltene Tiere und Pflanzen – und fĂŒr Wanderer ein Ort zum Durchatmen. Wer leise geht, hört das Summen von Insekten.

Störche durchstreifen oft das flache Gras und die feuchten GrÀben auf der Suche nach Nahrung, ihr charakteristisches Klappern mischt sich leise in die stille Moorlandschaft.  Und wer stehen bleibt, versteht, warum Moorlandschaften so wertvoll sind.

Die Wanderung fĂŒhrt weiter zur Steinacher Ach, die sich malerisch durch die Landschaft schlĂ€ngelt.

Von hier aus hat man einen tollen Blick aufs Kloster Reute – und in der Ferne grĂŒĂŸen die Alpen mit ihrem beeindruckenden Panorama.

Ein Moment zum Innehalten und Durchatmen.

Nach rund eineinhalb Kilometern heißt es: Landung am Flugplatz Reute!

Dort warten die Mitglieder des Sport- und Segelfliegerclubs schon – mit kĂŒhlen GetrĂ€nken zum Abheben und Erfrischen.

Perfekt, um neue Energie zu tanken, bevor es weitergeht!

Mit gutem Appetit erreichen wir schließlich das Dorfgemeinschaftshaus Reute.

Ein gemeinsames Mittagessen rundet den aktiven Teil des Tages ab.

Nach dem Mittagessen bleibt noch Zeit fĂŒr einen Besuch der nahegelegenen Klosterkirche Reute.

Die Kirche mit ihrer stillen AtmosphÀre und den Reliquien der seligen Guten Beth lÀdt zum persönlichen Gebet ein.

Ein wĂŒrdiger, spiritueller Ausklang einer besonderen Wanderung.